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Neu in Deutschland

aus DER SPIEGEL 16/1952

DIE STIMME DES ANDEREN (Deutschland). Den Thriller-Roman Robert Gilberts von der Jagd nach der Mörderstimme dämpften Regisseur Erich Engel und Autor R. A. Stemmle auf ein kriminalistisches Kammerspiel im Theatermilieu herab. Ein Magnetophonband als deus ex machina, erst belastend, dann rettend. Fast nebenbei gelang Engel ein deutsches Gegenstück zur Broadway-Satire »Alles über Eva«. Echte Spannung und gute Profile. Ausgefeiltester Film des Jahres, den man mit gutem Gewissen nach Cannes schicken kann. (Real.)

TRIUMPHBOGEN (USA). Erich Maria Remarques Roman vom paßlosen, gehetzten Emigranten in Paris wurde für vier Millionen Dollar schleppend verfilmt und stimmungsvoll unterbelichtet. So bitter, wie er kann, spielt Charles Boyer, meistens bei Regen und bei Nacht, den vor der Gestapo geflohenen deutschen Arzt. Für seine blutige, sorgsam durchgeplante Rache am NS-Henkersknecht Haake (Charles Laughton) blieb trotz der Rückblenden so wenig Platz, daß sie unverständlich ist. Die müde, zerquälte Liebesaffäre bekam ein tröstliches Filmende. Ingrid Bergman ist als lebenssüchtige, morbide Joan teils zu weinerlich und teils zu strahlend, ihr Hollywood-Kurswert sank nach dem »Triumphbogen« jäh ab. (United Artists.)

DR. KNOCK LÄSST BITTEN (Frankreich). Jules Romains' berühmte Komödie vom Arzt, der Gesunde krank redet und damit eine magere Landpraxis gesund macht, wurde ein witziger und tiefsinniger Film aus Dialog und Mimik. In seiner vorletzten Rolle präsentiert der verstorbene Louis Jouvet den Dr. Knock mit unbewegtem Gesicht und feierlich singender Stimme als einen Priester, der dem Götzen Medizin das Leben eines Landkreises gemessen hinopfert. Kaum zu synchronisieren. (Produktion Roitfeld.)

DAS BANKETT DER SCHMUGGLER (Deutschland/Belgien). Regisseur Henri Stork drehte unter künstlerischem Patronat von »Schwurgericht«-Schöpfer André Cayatte mit einem Zwölf-Nationen-Team den »ersten europäischen Gemeinschaftsfilm«. Herzhafte Satire auf den Kantönli-Geist und die Zollgrenzen des heutigen Europa, blutige Zwischenspiele im Niemandsland und leicht spitzweghafte Kleinstadt-Interieurs, in denen es nicht ganz geheuer ist. Das Drehbuch schrieb Charles Spaak, der Bruder des ehemaligen belgischen Außenministers und Präsidenten des Europa-Rats. (E-Film/Teve-Film.)

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