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Neu in Deutschland

aus DER SPIEGEL 1/1952

Isaak Deutscher: STALIN. Im Wust der von der Parteien Haß und Gunst verwirrten Stalin-Literatur das relativ gültigste Zeugnis (SPIEGEL 30/1949). Absolute Gültigkeit für den Laien nicht zu beurteilen, von Fachseite unter anderem durch den Marburger Historiker Professor Franz Borkenau bestritten, der Deutscher nachsagt, er erliege an einigen entscheidenden Punkten sowjetischer Geschichte der offiziellen stalinistischen Lesart. Autor Deutscher schied 1932, 25jährig, wegen begrenzter ideologischer Differenzen aus der KP Polen aus, ist also von Hause aus Kommunist und auch kein eigentlicher Renegat vom Schlage der Koestler und Burnham. So erklärt es sich, daß er Stalin zwar als »großen revolutionären Despoten« in einer Reihe mit Cromwell, Robespierre und Napoleon, nicht aber als Dschingis Chan und Hunnenstürmer sehen will. Dafür, daß das Buch nur nach der Methode historischer Dokumentation durch zweite Hände, nicht aber aus unmittelbarer Anschauung geschrieben werden konnte, relativ leicht lesbar. Reicht allerdings nur bis ins Jahr 1945/46. (Kohlhammer Verlag, Stuttgart, 606 Seiten, 24 DM.)

Jan van Dorp: SCHWARZER LÖWE IN GOLDENEM FELD. Während seiner eigenen Fahrenszeit romantisierte Seemann und Schriftsteller van Dorp die unchristliche Seefahrt eines flandrischen Korsarenkapitäns zur Zeit der Ostasiatischen Compagnie. Der handwerklich gemachte Roman nach Vorlage von Melvilles Abenteuer-Bestseller »Moby Dick« wurde in Frankreich mit dem Grand Prix des Lecteures ausgezeichnet. Abenteuerbuch für Erwachsene. (Paul List Verlag, München, 492 Seiten, 18 DM.)

C. C. Bergius: BLUT UND BLÜTEN FÜR DSCHINGIS-CHAN. C. C. Bergius - laut Verlagsankündigung das Pseudonym eines Zivil-Flugkapitäns mit über 2 Millionen Flugkilometern - schildert biographisch den Aufstieg des kleinen Mongolenhäuptlings Temudschin zum Herrscher Asiens. Viel Philosophie, viel Historie. (Verlag Zimmer & Herzog, Berchtesgaden, 612 Seiten, 10,50 DM.)

John Horne Burns: DIE GALERIE. Ehemaliger GI schildert alliierte Besatzung von Nordafrika und Neapel im Jahre 1944. Autor Burns, leidenschaftlich verliebt in Italien, übt hemmungslos Kritik an Besatzungsbenimm und Kaugummi-Moral, was ihn nicht hindert, von der Mission der amerikanischen Literatur nur das Beste zu denken: »Heute erwartet die ganze Welt unsere Bücher genau so wie die materielle Marshallplan-Hilfe.. Nichts anderes ist beschreibenswert als Amerika, denn wir haben die Macht, die Zukunft zu sein.« (Stahlberg Verlag, Karlsruhe, 550 Seiten, 17,50 DM).

Rudolf Baumgardt: BISMARCK. Nach drei anderen biographischen Versuchen nimmt sich der Autor, zugleich Verfasser des bürgerlichen Romankompendiums »Die Rodendahls«, jetzt Bismarcks an. Er verbrämt den Stoff romanhaft und greift tief in die Kiste der überkommenen Vokabeln (der »grimme Recke«, der »geharnischte Recke"), läßt den Reichsgründer »das Reich in Marmor meißeln«. Ererbte Urteile der gängigen Bismarck-Historiographie werden schlichtweg übernommen. Ein Buch für eine Zeit, in der Preußens Gloria wieder im Kurs zu steigen beginnt. (Wilhelm Andermann Verlag, München und Wien, 361 Seiten, 13,80 DM.)

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