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Oper »Neue Bescheidenheit«

aus DER SPIEGEL 8/1994

SPIEGEL: Seit Jahren predigen die Opernintendanten einen Gagenstopp für Starsänger - bisher ohne Erfolg. Warum betreiben Sie das sinnlose Spiel?

Friedrich: Diesmal ist es nicht sinnlos. Der im November 1993 vereinbarte Gagenstopp für Gastkünstler funktioniert weitgehend. Jetzt wollen wir ihn sogar bis zur Spielzeit 1995/96 ausweiten.

SPIEGEL: Zum Ärger der Künstler?

Friedrich: Die begreifen langsam, daß sie nicht automatisch jedes Jahr 1000 Mark pro Abend mehr verlangen können. Auch Künstler wollen nicht den Ast absägen, auf dem sie sitzen.

SPIEGEL: Betrifft Ihr Beschluß nur die Megastars wie Pavarotti und Domingo?

Friedrich: Er gilt für alle: Dirigenten, Regisseure, Ausstatter, Choreographen. Die Künstler müssen eine neue Moral lernen, eine neue Bescheidenheit.

SPIEGEL: Welche Konsequenzen hat das konkret?

Friedrich: Ich habe zwei berühmte Dirigenten nicht verpflichtet, weil sie überzogene Gagen verlangen. Und soweit ich das beurteilen kann, handeln meine Kollegen inzwischen genauso. Wir haben ja alle kein Geld mehr, das stärkt die Solidarität.

SPIEGEL: Also weniger Stars auf deutschen Bühnen?

Friedrich: Ja. Leider kann ich zum Beispiel den wunderbaren Tenor Neil Shicoff, der in unserem »Maskenball« singt, nicht so oft engagieren, wie es für die Kasse gut wäre. Das ist ja der Widersinn: Die großen Stars bringen uns Geld, die Vorstellungen sind ausverkauft. Aber wenn wir nicht bei den Stars mit dem Sparen anfangen, können wir uns auch bei den anderen Künstlern nicht glaubhaft durchsetzen.

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