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Neue Hörer für alte Stars

aus DER SPIEGEL 32/1990

Nun wippen und fingerschnalzen sie wieder: In Montreux und Moers, Hamburg und Den Haag erfreuten sich in diesem Sommer Jazz-Festivals eines von den Veranstaltern kaum erhofften Publikumszulaufs. Einem Londoner Jazz-Sender bescheren popmüde Radiohörer ebenso staunenswerte Resonanz wie der kleinen »Jazz-Welle Plus« in München; Jazz-Bücher wie die Miles-Davis-Autobiographie verkaufen sich auch außerhalb der Spezialisten-Zirkel. Schon beschwören nach neuen Trends süchtige Musikjournalisten ein Jazz-Revival, als Indiz dient etwa der Erfolg des Vokalensembles »Take 6«. Skeptischer allerdings urteilen die Kenner der Szene: Das neuerwachte Jazz-Interesse gelte in der Hauptsache etablierten Altstars wie Miles Davis und Oscar Peterson, Ausbruchversuche aus dem Genre wie etwa der vielpropagierte »Acid-Jazz« oder die wilde Stilmixtur der Avantgarde-Heroine Cassandra Wilson finden nur selten Gehör. So spricht der NDR-Jazzredakteur (und Musiker) Michael Naura denn auch von einer flüchtigen Mode, so vergänglich wie jenes »Parfüm von Yves Saint Laurent, das sich ,Jazz' nennt«. Und Jazz-Plattenhändler wie Horst Weber, Chef des Münchner »Enja«-Labels, registrieren vorerst gleichbleibende Umsätze - immerhin, »das Publikum hat sich verjüngt, erfreulicherweise«.

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