Coronahilfe »Neustart Kultur« Galerien kassierten Fördermittel – und machten zum Teil Gewinne

Mehr als hundert Millionen Euro Fördermittel flossen während der Pandemie in die bildende Kunst. Recherchen von Deutschlandfunk Kultur zufolge profitierten oft die Falschen – und das ganz legal.
Monika Grütters: »Das finde ich nicht unfair«

Monika Grütters: »Das finde ich nicht unfair«

Foto: Political-Moments / IMAGO

Eine Milliarde Euro umfasste das Rettungspaket, mit dem die Bundesregierung 2020 plante, die Kulturbranche vor einem, so die damalige Kulturministerin Monika Grütters, »Kollaps ungeahnten Ausmaßes« zu bewahren. Allein 105,6 Millionen Euro davon gingen in die Sparte bildende Kunst. Doch wie Recherchen von Deutschlandfunk Kultur  nun ergaben, kassierten oft Kunstbetriebe und Galerien, die eigentlich keine Fördermittel brauchten. Einige der Unternehmen sahnten mehrfach ab; und manche machten im Pandemiejahr 2020 sogar Gewinne.

Besonders kommerzielle Kunsthändler profitierten demnach von dem Hilfsprogramm »Neustart Kultur«. Insgesamt gab es für sie drei verschiedene Wege, an Gelder zu kommen: Förderhilfen für Galerien, Fördermittel für Messen und die sogenannten Pandemiebedingten Investitionen in Kultureinrichtungen, betreut vom Deutschen Verband für Archäologie e.V. (DVA).

Einige Kunsthändler bekamen Gelder aus mehreren dieser Töpfe. Unter ihnen befanden sich auch gut etablierte Galerien mit Millionenumsätzen, so etwa Sprüth Magers, König Galerie oder die Galerie Eigen + Art: Das Unternehmen machte 2020 nach Schätzungen 3,65 Millionen Euro Gewinn – mehr noch als im Jahr vor der Pandemie. Trotzdem erhielt die Galerie 80.000 Euro Fördermittel.

Überprüfung »in der Akutsituation nicht möglich«

Sämtliche Geldzusagen liefen nach Recherchen des Deutschlandfunks legal ab. So fanden keine Überprüfungen statt, ob bei einem Unternehmen Förderbedarf besteht. Rund 80 Prozent aller antragstellenden Galerien bekamen eine Zusage. Viele Künstler dagegen gingen leer aus: Von ihnen bekam laut Deutschlandfunk-Recherche gerade einmal jeder Vierte eine Zusage auf Fördergeld. Schon 2020 gab es deshalb Vorwürfe zur Vergabe von Fördergeldern  aus dem Hilfsprogramm »Neustart Kultur«: Besonders Künstler und Soloselbstständige sahen sich bei der »Kulturmilliarde« übergangen.

Grütters verteidigt das Vorgehen auf Nachfragen des Senders: Eine Prüfung des tatsächlichen Bedarfs sei »in der Akutsituation nicht möglich gewesen«. In der Verteilung der Gelder sieht sie demnach keine Ungerechtigkeit. »Große Häuser haben vergleichsweise wenig gekriegt«, so Grütters. »Kleine Galerien haben relativ gesehen zu ihrem Umsatz mehr gekriegt. Das finde ich nicht unfair.«

isb
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