New York Größte öffentliche Bücherei der USA schafft Mahngebühren ab

Bisher brachten Gebühren für verspätete Rückgaben der New Yorker Bücherei jedes Jahr Millionen Dollar ein. Nun jedoch streicht das Haus sämtliche Mahngelder. Ziel ist soziale Gleichstellung.
Statue vor dem Hauptgebäude der New York Public Library

Statue vor dem Hauptgebäude der New York Public Library

Foto: Ted Shaffrey / AP

Vielleicht ist der dicke Roman noch nicht ganz geschafft, ein Sachbuch verlegt, oder das Kinderbuch schlicht vergessen worden – Gründe, ein Büchereibuch nicht pünktlich zurückzubringen, lassen sich reichlich finden. Je nach Anzahl der Bücher und Dauer des Überziehens kann das ins Geld gehen.

In New York City allerdings müssen sich die Inhaber eines Büchereiausweises keine Gedanken mehr über Mahngebühren machen. Die öffentliche Bücherei hat sämtliche Strafzahlungen für überzogene Bücher oder andere Medien abgeschafft. Darüber berichtet unter anderem die BBC. 

Als Grund gab Präsident Anthony W. Marx an, sein Haus wolle die Benachteiligung von finanziell schlechter gestellten Menschen vermeiden. »Für alle, die sich die Gebühren leisten können, sind sie kaum ein Anreiz zur Rückgabe«, so Marx. Für alle anderen allerdings würden die Mahngebühren eine »nicht länger akzeptable« Abschreckungswirkung haben.

Bisher hatte die Bücherei alle Karten, die mit mehr als 15 Dollar Mahngebühr belastet waren, gesperrt und den Inhabern den Zutritt bis zur Bezahlung verweigert.

Mit 92 Filialen im Großraum New York City handelt es sich um das größte öffentliche Bücherei-Netzwerk der USA. Laut Angaben der BBC hatten Mahngebühren allein im Jahr 2019 rund drei Millionen Dollar eingebracht. Mit dem Ausbruch der Covid-Pandemie hatte das Haus die Gebühren zeitweise eingefroren – nun werden sie ganz gestrichen.

Fallen Gebühren weg, tauchen Bücher wieder auf

»Büchereien sind für alle da. Aber Mahngebühren bedeuten eine entscheidende Hemmschwelle für jene Menschen, die die Bücherei am dringendsten brauchen«, sagte auch der Sprecher des Stadtrats, Corey Johnson. Er sprach von »einem wichtigen Schritt, um soziale Gleichstellung zu erreichen«.

Neu ist die Idee nicht: Großstädte wie Chicago, San Francisco und Philadelphia haben bereits vorgelegt. Im Beispiel Chicago hatte die entsprechende Ankündigung zu einem Ansturm auf Leihausweise geführt. Zudem sei die Quote der Rückgaben in den Monaten nach der Entscheidung um mehr als 80 Prozent gestiegen, hieß es.

Eine Einschränkung gibt es bei der Abschaffung der Gebühren in New York allerdings doch noch: Geht ein Buch oder ein anderes Medium ganz verloren, muss der Ersatz von der ausleihenden Person bezahlt werden.

jok
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