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MYTHEN Noch einmal, Sam!

aus DER SPIEGEL 7/1999

Gleich zwei deutsche Buchverlage schlachten derzeit den Hollywood- Klassiker »Casablanca« aus, die herbe Romanze um Rick und Ilsa alias Humphrey Bogart und Ingrid Bergman. Im Herbst hatte die Weltbild-Tochter Schneekluth eine Fortsetzung zur Filmstory präsentiert; nun eilt Konkurrent Burgschmiet mit einer Nacherzählung hinterher. Geschrieben hat sie angeblich der 56jährige Schriftsteller, Krisen- und Hofberichterstatter Steven Barkley. Der Name, ein Pseudonym, ist einer Figur aus »Jenseits von Afrika« entlehnt. Doch Alter und Beruf treffen auch auf die wahre Verfasserin zu: Brigitte Blobel, eine Hamburger Journalistin und Buchautorin ("Der Ruf des Falken«, »Immenhof"). Sie pumpte das 25seitige Drehbuch mit Pathos und neuen Episoden zum Roman auf: Victor Laszlo, im Film eine wunderbar mysteriöse Gestalt ohne greifbare Vergangenheit, flüchtet in ihrer Version erst einmal aus einem KZ - derweil sich Ricks und Ilsas Liebelei in Paris mit Hummer, Blumen und vielen Küssen gnadenlos in die Länge zieht (Blobel: »Bei den Dreharbeiten fehlte wohl die Zeit, intime Szenen einzubauen."). Ein Muß auch im Buch: Sam klimpert wie gehabt »As Time Goes By«. Und Rick flüstert sein »Ich seh' dir in die Augen, Kleines«. Soviel Zeit muß sein.

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