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»Nomaden« in Frankfurt

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aus DER SPIEGEL 5/1987

Sein erstes Theaterstück »Pfingstläuten« (geschrieben 1976, aufgeführt 1981) war angesiedelt im deutschen Provinzmuff der frühen sechziger Jahre und handelte (auch) vom Aufbegehren der Jungen, die für sich keinen Platz finden können in der vorgefundenen Ordnung. Im zweiten Werk hat der 1943 durchaus spätgeborene Dramatiker und gelernte Schauspieler Harald Kuhlmann volkstheaterhaft-derb auch noch den Ort verwüstet und grell beleuchtet, in dem wiederum Menschen ihren Platz suchen: Im Harz gegen Ende des Zweiten Weltkriegs torkelt ein bösartiger Neinbürgerreigen durch seine zerschellte Welt - Gutsherr und »Lohnknecht, ehem. SS-Sturmbannführer«, ein verstörter Hitlerjunge, der sich schließlich artig aufknüpft, sowie irre Religiöse und überlebensgeile Weiber, die den Engländer erwarten, wo dann doch der Russe kommt. Keiner begreift, daß der Zusammenbruch ein Aufbruch hätte sein können, und wenn alles in Scherben fällt, überkommt sie bloß die Erkenntnis, daß die Herrenrasse jetzt zu einem Nomadenstamm geworden ist, der durch »irgend'ne Wüste« irrt. »Wünsche und Krankheiten der Nomaden« heißt denn auch Harald Kuhlmanns Stück, das unter der Regie von Dietrich Hilsdorf am kommenden Freitag in Frankfurt uraufgeführt werden soll.

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