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Nona Gaprindashvili Die Klage der Dame

aus DER SPIEGEL 39/2021
Foto: Bridgeman Images

Die Netflix-Serie »Das Damengambit« war ein Riesenerfolg, auch für die Schachklubs dieser Welt: Deren Mitgliederzahlen insbesondere beim Online-Schach stiegen. Doch Nona Gaprindashvili, 80, die erste Frau, die 1978 einen Großmeistertitel erlangte, kann die Begeisterung nicht teilen. Sie hat Netflix jetzt auf fünf Millionen Dollar Schadensersatz verklagt. Die Serie spielt in den Fünfziger- und Sechzigerjahren und erzählt die Geschichte einer ungewöhnlich talentierten Schachspielerin namens Beth Harmon, die gegen die besten (männlichen) Schachspieler der Welt antritt. In der letzten Folge sagt eine Nebenfigur, die Frauenschachweltmeisterin Nona Gaprindashvili habe noch nie gegen Männer gespielt. Gaprindashvili, die ihren Titel 16 Jahre lang führte, findet die Aussage sexistisch und herabwürdigend. Die Fakten hat sie dabei auf ihrer Seite: Tatsächlich hat Gaprindashvili sehr wohl gegen Männer gespielt – und gewonnen. In der Klageschrift ist laut »Guardian« festgehalten, dass sie 1968 bereits gegen 59 Männer angetreten war, davon gegen 28 in einem Simultanspiel und gegen 10 Großmeister. Der »New York Times« sagte die Schachspielerin: »Sie haben versucht, diese fiktive Figur zu erschaffen, die eine Vorreiterrolle einnimmt für andere Frauen – obwohl ich das schon längst getan hatte und Generationen inspiriert habe.« Netflix versichert »allergrößten Respekt« für Gaprindashvili zu haben, geht aber davon aus, dass »die Forderung haltlos« sei und will sich »energisch verteidigen«.

ks
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