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Nützliche Künste?

aus DER SPIEGEL 21/1981

Unbefangen als steter Fortschritt läßt sich die Entwicklung von der Dampfmaschine bis zum Industrieroboter selbst von den Machern nicht mehr nachzeichnen: »Die nützlichen Künste« nennt der Verein Deutscher Ingenieure zwar eine Ausstellung in Berlin zu seinem 125jährigen Bestehen, die noch einmal »zukunftsweisende Kraft« und »humane Dimension« der Technik beschwört. Aber der VDI zeigt neben anheimelnd altem Eisen auch Dokumente der utopischen Hoffnungen und Endzeit-Ängste, die Technik auslöste, und der Katastrophen, die mit ihr angerichtet wurden. Daß die automatisierten Werkzeuge und ihre Massenprodukte kaum als bloß rationale Erfindungen zu begreifen sind, belegen künstlerische Reaktionen auf die Technik -- vielfach mit technischen Ausdrucksmitteln wie Photo, Film und Video oder mit der Umdeutung technischer Gegenstände zum ästhetischen Objekt einer absichtlich unnatürlichen Formenwelt. Doch die unbestechliche Stechuhr ist nicht minder emotional besetzt als die zum unmobilen Sofa verfremdete Pkw-Schnauze. Der Begleitband zur VDI-Ausstellung (372 Seiten, 30 Mark) ist mehr als ein Katalog; in fast fünfzig Essays wird darin das Generalthema Industriegesellschaft eingekreist, bis hin zu Aspekten wie »Technik in den Märchen«, »Straßenlaternen und Polizei« oder »Maschinenerotik«.

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