Sibylle Berg

Nukleare Energie Auf Kuschelkurs mit Atomkraftwerkchen

Sibylle Berg
Eine Kolumne von Sibylle Berg
Selbst Tschernobyl kennen heute viele nur noch als HBO-Serie. Warum die Atomkraft auch deshalb ein Comeback erleben kann.
Atomkraftwerk in den USA: Willkommen in unserer Zukunft

Atomkraftwerk in den USA: Willkommen in unserer Zukunft

Foto: Paul Souders / Getty Images

Ich verschone uns alle mit einer halbgaren, halb informierten Meinung zum aktuellen Krieg. Es gibt vieles, was wir nie richtig begreifen werden. Und mit »wir« meine ich gerade fast alle. Außer vielleicht GeheimdienstmitarbeiterInnen, die eventuell mehr Informationen zum aktuellen Bullshit haben, den Menschen anstellen.

Was kann schon schiefgehen?

Die über zwei Jahre dauernde Coronapandemie ist wegen der Nachrichtenlage auf jeden Fall mehr oder weniger ausgesetzt worden. Jetzt also deshalb aber mal hastig gelebt! Dem Untergang singend beiwohnen. Oder tanzend. Es gibt nichts Schöneres als tanzende, begeisterte Menschen.

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Es gibt zum Beispiel gerade einen Flashmob für Atomenergie. Die wird nicht mehr unter dem Namen Atomenergie gehandelt, sondern hat neue geschmeidige Namen wie Minikraftwerke oder Fusionskraftwerke. Das klingt doch sofort, als könnte man mit den Atomkraftwerkchen kuscheln, sie umarmen wie Bäume!

In sehr kleinen Texten oder in Winkeln des Netzes konnte man vor einiger Zeit Informationen zu reichen Menschen finden, die zur Klimarettung in Atomkraft investierten . Das ist lieb. Auch von der kapitalistenfreundlichen EU, die für Klimajugendliche das passende umweltfreundliche Label an die Kuschel-Fusions-Minikraftwerkchen  erteilte.

Wer auch immer die Werbung für die neue, nachhaltige, CO₂-arme Atomkraft macht: Hut ab. Der Laden ist so gut wie jener, der den Massen damals die Staubsaugroboter mit lustigen Katzenvideos nahegebracht hat. Nun liegen Millionen Staubsaugroboter in den Kellern, nachdem sie in diversen Wohnungen stundenlang die Ecken und Verlängerungskabel gerammelt haben.

Die Menschen, die Kinder waren, als der kleine Zwischenfall in Fukushima passierte, und noch nicht geboren, als Tschernobyl stattfand, wundern sich eventuell, warum, wie in der Schweiz, in Abständen Jodpillen an die Bevölkerung verschickt werden. Oder halten die schlechte Serie des gleichen Namens auf Sky für so etwas wie »Walking Dead«. Zombiquatsch halt. Sie zeigen sich offen für die saubere Energie .

Warum auch nicht etwas Neues neben dem Alten errichten. Warum so pessimistisch auf die Welt blicken, die von maroden Atomkraftwerken überzogen ist. Was kann schon schiefgehen ? Wie könnte die Bevölkerung auch sonst nur durch nachhaltige Energien versorgt werden?

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Sibylle Berg

GRM: Brainfuck. Roman

Verlag: KiWi-Taschenbuch
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Nun, eventuell könnte das funktionieren, wenn Kapitaleigner sich vom Investment in nachhaltigen Energien mehr Profit versprächen. Oder wenn sie in der nervösen Gier irgendwo in der realen Welt noch eine Lücke finden, in der sie ihre durch nicht reale Finanztransaktionen entstandenen Geldmassen versenken könnten. Mit mehr sozialem Wohnungsbau, Kindergärten, Wiesen, Wäldern würde die Welt zum Beispiel ein wenig langsamer im Irrsinn versinken. Oder wenn sie einfach endlich mal Ruhe gäben, die Aktionäre, die Kapitaleigner, und verdammt noch mal Golf spielen oder wandern würden. Meine Güte, was ist verkehrt an einer kleinen Wanderung?

So aber heißt es: Willkommen in unserer Zukunft, in der wir alle durch die Entwicklung neuer Technologien gerettet werden.

Und jetzt: Zurück zum Krieg. Und zur wunderbaren globalen Kapital- und Rohstoffvernetzung, zu den Abhängigkeiten, finanziellen Interessen. Sodass die meisten nie verstehen werden. Also: besser tanzen – und die gute Laune nicht vergessen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Textfassung stand fälschlicherweise, dass es sich bei der Miniserie »Chernobyl« um eine Netflixserie handele. Wir haben die Formulierung korrigiert.

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