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Nymphchen im Dritten Reich

aus DER SPIEGEL 40/1981

Schnucklig und minderjährig: Das Kino setzt weiter auf die Nymphchen. Nun liebt und leidet sich eine Lolita auch durch das Panoptikum des Dritten Reiches. In Wolf Gremms Film »Vor Mitternacht«, letzte Woche war Premiere, spielt die luxemburgische TV-Frechnase Desiree Nosbusch, 16, eine 16jährige Deutsche, der die ganze Hitlerei nicht paßt; sie wandert aus. Gremms Aussteiger-Märchen ist nach dem hellsichtigen Roman der Irmgard Keun (SPIEGEL 42/1979) gedreht; sie hat ihn in der Emigration geschrieben. Der Regisseur, neuerdings stets mit Hut, gestaltete sein Werk »aus dem Lebensgefühl der heutigen Jugend«; das Schulmädchen Desiree darf deshalb flapsig und nackig sein, das Dritte Reich wie ein Comic-strip. Die Schauspiel-Novizin, mittlerweile in weiteren Filmen eingesetzt, schätzt sich schon hoch: In einer Berliner Theater-Inszenierung wollte sie nur für eine Monatsgage von 25 000 Mark mitspielen.

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