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SCHALLPLATTEN / NEU IN DEUTSCHLAND Ohne Brunst

Richard Wagner: »Das Rheingold«, Dietrich Fischer-Dieskau, Gerhard Stolze, Erwin Wohlfahrt. Zoltan Kelemen, Robert Kerns, Donald Grobe, Martti Talvela, Karl Ridderbusch, Jasephine Veasey, Simone Mangelsdorff, Oralla Dominguez, Helen Donath, Edda Moser, Anna Reynolds; Berliner Philharmoniker, Dirigent: Herbert von Karajan. Deutsche Grammophon 104 966168; 58 Mark.
aus DER SPIEGEL 32/1968

In dieser Version des ersten »Ring«-Abends, aufgenommen mit den Solisten und dem Orchester der Salzburger Osterfestspiele 1968, Karajans Privatfestival, hat die Götterdämmerung schon stattgefunden. Auf dieser Platte -sie erscheint in Kürze- dräut keine urgermanische Düsternis mehr, hier verschmähen Asen und Riesen jeden brünstigen Schrei und animieren mit trunkenem Melos zum Genuß. Sogar ein Happy-End scheint da nicht unmöglich.

Diese Karajansche Deutung des Dramas vom göttlichen Betrug und Bauskandal mag anfechtbar sein -- der musikalischen Linie kommt die glatte und schnelle Diktion jedenfalls zugute. Sie mildert Wagners dramatisches Leitmotiv-Wabern in eine ästhetische Kammermusik mit mannigfach abgestuften Übergängen und ohne heroisch-schwere Wagner-Stimmen; sie verzichtet auf Knappertsbusch-Pathos und Furtwängler-Toben und präsentiert lyrisch und ganz piano einen »Rheingold«-Standard fürs Jet-Zeitalter.

Und doch ist solch transparente Interpretation nicht ganz neu und Karajan keineswegs ihr Prophet. Einen ähnlich hochpolierten Orchesterklang hat vor Jahrzehnten schon Bruno Walter erzeugt -- zu hören auf einer immer noch erhältlichen Schallplatte mit den ersten beiden »Walküre«-Akten.

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