Sibylle Berg

Online-Buchhandel Ein paar neue Jets für Jeff

Sibylle Berg
Eine Kolumne von Sibylle Berg
Eine Kolumne von Sibylle Berg
Während des Lockdowns hätten sich die deutschsprachigen Verlage und der Buchhandel zusammenschließen und eine Alternative zu Amazon entwickeln sollen - keine Ahnung wie, bin ich Ökonomin? Tja. Hätte. Gehabt. Würde.
Ulrike Stadler, Geschäftsführerin der ABC-Telebuch-Bücherdienst GmbH

Ulrike Stadler, Geschäftsführerin der ABC-Telebuch-Bücherdienst GmbH

Foto: Stefan_Kiefer/ picture-alliance / dpa

Wussten Sie, dass es in Deutschland einmal einen erfolgreichen Online-Buchhandel gab? Bevor Amazon existierte und alles auffraß, was nicht schnell genug bankrottgehen konnte? Der ursprünglich von Jeff (wie ich und seine Freunde ihn nennen) Bezos angedachte Name war übrigens: Relentless - unerbittlich. Es gab mal die deutsche Plattform Telebuch.de, die auch unter dem Namen ABC-Bücherdienst und Telebook Ltd. bekannt war. 1998 verkauften die Eigentümer den Stammkonzern ABC-Bücherdienst GmbH an Amazon. Ende der Digitalisierung des deutschsprachigen Online-Buchhandels.

Irgendeines wird schon reinknallen

Danach konnte sich die Buchbranche, was auch immer dieser seltsame Begriff meint, wieder dem Kerngeschäft widmen. Dem Schwinden der Verkaufszahlen mit einer Streukalkulation begegnen (keine Ahnung, ob es den Begriff gibt, passt aber gut zur Methode "Wir schmeißen möglichst viele Bücher auf den Markt, irgendeines wird schon reinknallen, wir verteidigen die Buchpreisbindung und erzählen vom Duft der frisch gedruckten Bücher").

Selbst, als klar wurde, dass Amazon zu einer konkurrenzlosen Sauplattform wird, die Knebelverträge diktieren kann, starrte man die Schlange an. Amazon wuchs, das Angebot war unschlagbar, die Algorithmen wurden immer besser. Es ist nämlich so: Je einfacher eine Plattform funktioniert, umso aufwendiger ist die Logistik und die Programmierung. Ein Klick, und am nächsten Tag liegt die Ware im Briefkasten. In Amerika fegte Amazon Buchläden von den Straßen; in den deutschsprachigen Ländern leistete man sich noch den Luxus der kleinen Traditionsbuchläden und wurde echt sauer .

Verantwortung für den Erhalt des Buches

Leider half das Sauerwerden nichts . Während die großen Ketten vom Radiergummi bis zu lustigen Geschenkmäppchen das Angebot aufstocken mussten, um rentabel zu sein, verschwanden immer mehr Buchläden, wenngleich auch sie wehrhaft versuchten, Konkurrenzangebote zu Amazon zu liefern. Es entstanden wackere Plattformen wie Buchhandel.de, ExLibris, Genialokal, Shopdaheim und Osiander, die sich mit einem Bruchteil der Programmierleistung und Expertengehältern gegen den Riesen stemmten. Während der Großteil der Kaufenden eifrig betont, den Einzelhandel zu unterstützen und gern mit den Buchhändler*innen einen Tee zu trinken, sagt die Statistik Trauriges : die Zahl der online Kaufenden nimmt zu, das heißt aber meist nur: ein paar neue Jets für Jeff. Und so wächst die Abhängigkeit von Amazon. Dumm gelaufen, wenn dem Buchhandel wegen der Pandemie das Frühjahrsgeschäft einbrach und Amazon die Auslieferung von Büchern zurückstellte . Die Verlage im Homeoffice, die Buchläden geschlossen  - das wäre doch eine hervorragende Möglichkeit gewesen, sich zusammenzutun und mit dem Geld aller deutschsprachigen Verlage und der Beteiligung des Buchhandels (keine Ahnung wie, aber bin ich Ökonomin? Oder Virologin?) eine Alternativplattform zu planen. Mit viel Geld, mit der geklauten Erfahrung von Amazon, spielend einfach und so gedacht, dass man mit der Zeit eine europaweit programmierte Ohrfeige für Amazon am Start hätte.

Hätte. Gehabt. Würde.

Na, wird schon. Vielleicht ist sich Amazon ja seiner Verantwortung für den Erhalt des Buches bewusst (sure), oder die Evolution erledigt das.

Es gibt Wichtigeres zu tun. Die Durchführung der Frankfurter Buchmesse, um ein paar Ideen und Viren auszutauschen. Oder einfach mal ein bisschen was im Rechner ansehen. Falls man eine Netzverbindung  hat.