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Opernchor im Flüsterton

aus DER SPIEGEL 33/1981

Die Zuschauer saßen mit Eintrittskarten bis zu 240 Mark in der Loge. Aber was sie für ihr gerütteltes Scherflein zu hören bekamen, war einmalig wenig: Am letzten Abend der Münchner Opernfestspiele, Intendant Everding bot Wagners »Meistersinger von Nürnberg« an, streikte vergangene Woche im Nationaltheater der Opernchor. »Die Damen und Herren erschienen zwar untadelig kostümiert auf der Bühne und spielten auch mit, doch was von ihren Lippen kam, war lediglich Pianissimo oder diskretestes Flüstern« ("SZ"). Dies Novum in den Annalen des Musiktheaters hatte sich der Staatsopernchor ausgedacht, um seinen Forderungen nach mehr Gage und Freizeit Nachdruck zu verleihen: originelle Bekanntmachung eines seit Wochen schwelenden Konflikts mit der Lohndrücker-Intendanz. Die indes überraschte nicht nur der leise Chor, sondern ebenso das sprachlose Publikum: Erst im dritten Akt ließ sich der erste Besucher mit der Bitte »Lauter!« vernehmen.

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