Bei Verleihung ausgebuht Oscar-Akademie entschuldigt sich bei Sacheen Littlefeather – mit fast 50 Jahren Verspätung

1973 schickte Marlon Brando die Apachin Sacheen Littlefeather zur Oscarverleihung: Er sollte ausgezeichnet werden, sie lehnte in seinem Namen ab – mit drastischen Konsequenzen. Jetzt bekam sie eine Entschuldigung der Veranstalter.
Apachin Sacheen Littlefeather bei der Oscar-Verleihung 1973

Apachin Sacheen Littlefeather bei der Oscar-Verleihung 1973

Foto: ZUMA Wire / IMAGO

Die Oscar-Akademie hat sich nach fast 50 Jahren bei Sacheen Littlefeather entschuldigt. Sie war bei einer Oscarverleihung im Jahr 1973 auf der Bühne ausgebuht worden.

Die Schauspielerin und Angehörige des Stammes der Apachen hatte damals im Namen von Marlon Brando den Oscar abgelehnt, den der Schauspielstar für seine Rolle im Mafia-Epos »Der Pate« gewann. Brando könne »diesen sehr großzügigen Preis leider nicht annehmen«, sagte Littlefeather damals. Er wolle damit gegen den Umgang Hollywoods mit amerikanischen Ureinwohnern protestieren.

Das Publikum reagierte teilweise mit Applaus, teilweise aber mit Buhrufen.

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Littlefeather sagte später, Westernstar John Wayne habe sie körperlich angreifen wollen. Sechs Sicherheitsleute hätten ihn zurückhalten müssen. Erinnerungen an den Vorfall wurden zuletzt im März dieses Jahres wach, als Schauspieler Will Smith bei der Oscarverleihung den Komiker Chris Rock schlug, nachdem dieser einen Witz über Smiths Ehefrau Jada Pinkett Smith gemacht hatte.

Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences machte am Montag ihren Brief an Littlefeather öffentlich, verfasst wurde er bereits im vergangenen Juni. »Die Beschimpfungen, die Sie wegen dieser Erklärung erlitten haben, waren unvertretbar und unberechtigt«, heißt es darin vom Präsidenten der Oscar-Akademie, David Rubin.

Eklat auf der Bühne: Roger Moore will den Oscar überreichen, Sacheen Littlefeather lehnt ihn ab

Eklat auf der Bühne: Roger Moore will den Oscar überreichen, Sacheen Littlefeather lehnt ihn ab

Foto: Mary Evans / IMAGO

»Die emotionale Last, die Sie durchlebt haben, und die Kosten für Ihre Karriere in unserer Industrie sind irreparabel.« Viel zu lange sei auch Littlefeathers »Mut« nicht anerkannt worden. »Dafür entschuldigen wir uns zutiefst und sprechen Ihnen zugleich unsere ehrliche Bewunderung aus.«

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Der Brief wurde anlässlich einer Einladung Littlefeathers zu einer Rede im Oscar-Museum in Los Angeles  veröffentlicht. Das Museum hat es sich zur Aufgabe gemacht, auch schwierige Kapitel in der Geschichte Hollywoods offen anzusprechen. Der Umgang mit Littlefeather nach ihrer Rede 1973 wird in dem Museum bereits thematisiert.

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Foto: Kevin Winter/ Getty Images

Littlefeather reagierte mit Humor auf den Entschuldigungsbrief. »Wir Indigene sind sehr geduldige Menschen – es ist erst 50 Jahre her!« Sie hätten gelernt, mit Humor auf Widrigkeiten zu reagieren. »Das ist unsere Überlebensmethode.«

aar/AFP
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