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ZOOLOGIE / ARTERHALTUNG Paarung nach Plan

aus DER SPIEGEL 23/1968

Seefahrer verspeisten im 17. Jahrhundert den putenfetten Körper des letzten Vogels Dronte, jener sagenhaften Riesentaube, die nicht fliegen konnte. Den letzten Braunbären in Deutschland erlegte der oberbayrische Forstamtsaktuar Klein im Jahre 1835 aus 80 Schritt Entfernung. Bei Walsrode (Lüneburger Heide) kündet ein Denkmal vom letzten deutschen Wolf außerhalb Ostpreußens, der hier 1872 zur Strecke gebracht wurde.

Eine Tierspezies pro Jahr verschwand nach Schätzungen von Biologen seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Und fast ebenso lange mühen sich Tier- und Naturschützer, die Vielfalt der Fauna in allen Erdteilen zu erhalten. Doch ungleich wirkungsvoller als Konservieren, das erkannten jetzt angelsächsische Zoologen, ist Produzieren: Sie gründeten eine Art Heiratsvermittlung für selten gewordene Tiere, mit demselben Ziel, das einst die SS mittels ihrer Arier-Zeugungsanstalt, dem »Lebensborn e. V.«, verfolgte -- Aufstockung der Rasse.

Paarungs-Stifter ist eine Vereinigung britischer und irischer Zoos, die »Federation of Zoological Gardens of Great Britain and Ireland« (FZGB). Auf einer Pressekonferenz in London erläuterten kürzlich FZGB-Vertreter Beweggründe und Methoden ihrer Vermittlertätigkeit.

Philip Wayre, Direktor des Tierparks von Norfolk und FZGB-Komiteevorsitzender, rügte, daß in Menagerien vieler Länder rare Einzeltiere beiderlei Geschlechts bestaunt würden, ohne daß sie je die Möglichkeit erhielten, für Nachfahren zu sorgen.« Warum«, so fragte Wayre, »soll man sie nicht mal zusammenbringen?«

Für diesen Zweck verwendet die Vereinigung nach Art der Eheanbahner eine Kartei, in der Daten und Aufenthaltsorte der letzten und vorletzten Vertreter von rund 500 aussterbenden Vogel- und Säugetierarten registriert sind. Anhand dieser »Roten Bücher will die FZGB nun Begattungs-Meetings etwa zwischen Männchen und Weibchen von Sumatra-Nashörnern, Schreikranichen oder Mönchsrobben organisieren

Im einzelnen wollen die Zoologen darauf achten, daß die -- mitunter durch lange Flugreisen kostspieligen Tier-Treffen zur rechten Zeit erfolgen -- wenn die Begegnung etwas fruchtet.

Einen Unsicherheitsfaktor freilich vermögen auch die FZGB-Vermittler nicht gänzlich auszuschalten: Zuweilen wollen Kreaturen nicht so, wie sie sollen.

Den Beweis dafür lieferte vor eineinhalb Jahren das wohl populärste Bärenpaar der Welt, der Sowjet-Panda An-An und seine britische Artgenossin Chi-Chi. Das von den Zoologen geplante Ost-West-Schäferstündchen in einem Moskauer Käfig blieb erfolglos: Die Zotteltiere waren sich nicht sympathisch.

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