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NOBELPREISE / PHYSIK Pakt wider Willen

aus DER SPIEGEL 46/1967

Sonnenglut und Sternenstrahlen hatte der deutsche Emigrant erstmals enträtselt und dazu beigetragen, daß sie auf Erden nachgeahmt werden konnten -- in der Wasserstoffbombe.

Nun, drei Jahrzehnte später, da die Zähmung der Schreckensbombe für friedliche Zwecke möglich scheint, wurde er mit dem Nobelpreis für Physik geadelt: Hans Bethe, 61, Professor an der Cornell University in Ithaca (US-Staat New York).

Bethe hat an der Bombe mitgewirkt. Aber er hat seine Zeitgenossen auch das Grauen vor der kosmischen Zerstörungsgewalt in Menschenhand gelehrt. Sein Plädoyer für eine internationale Kontrolle der Atomwaffen bewog die US-Regierung, das Abkommen über den Bann von Atombombentests 1963 mit den Sowjets auszuhandeln.

Die Sonnen des Weltalls, dies hat Bethe zusammen mit dem Hamburger Physiker-Philosophen Carl Friedrich von Weizsäcker 1938 dargelegt, beziehen ihre auch in Jahrmilliarden nicht zu erschöpfende Strahlungsenergie aus der Umwandlung von Wasserstoff in Helium. Vier Jahre nach der Explosion der ersten Uran-Atombombe sah der amerikanische Atomphysiker Edward Teller einen Weg, derartige Strahl-Energien in einer irdischen Bombe zu entfesseln.

So tauchte, wie Robert Jungk formulierte, im Oktober 1949 »der Advokat der Höllenbombe auf, um den Doktor Bethe in Versuchung zu führen«. Der Astrophysiker, der schon beim Bau der Uran-Bombe mitgeholfen hatte, wehrte sich gegen das »schreckliche Unternehmen, eine noch größere Bombe zu entwickeln«.

Er wußte, daß »die Welt nach einem solchen Krieg (mit Wasserstoffbomben), selbst wenn wir ihn gewinnen sollten, nicht mehr so sein würde ..., wie die Welt, die wir erhalten wollen«. Eine Ausgabe des »Scientific American«, in der Bethe diese Bedenken darlegte, wurde von amerikanischen Regierungsagenten großenteils beschlagnahmt und eingestampft.

Doch ein Jahr später, nach dem Ausbruch des Korea-Krieges, drängte patriotisches Empfinden den Atom-Doktor -- wider bessere Skrupel -- doch in Tellers Labor. Der Reiz, das technologische Problem zu lösen, so kommentierte Jungk später, »erklärt vielleicht, weshalb der Faust des zwanzigsten Jahrhunderts sich verleiten läßt, Teufeispakte zu unterschreiben«.

Hernach freilich bekannte Bethe, der sich auf die Dauer weder den Falken noch den Tauben zugesehen mochte, er habe »immer noch das Gefühl, daß ich das Falsche tat«. Und befragt, wohin die Entwicklung der Wissenschaft ziele, erklärte er: »Unsere Zeit muß noch eine große Entdeckung machen: den Frieden.«

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