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»Paso Doble« aus der Lende

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aus DER SPIEGEL 4/1984

Gern hielt er seine Kamera in Lendenhöhe - das machte den Berliner Underground-Filmer Lothar Lambert ("Fucking City") zur Berühmtheit in seiner Gemeinde. Nun verläßt der 38jährige das Getto mit dem Spielfilm »Paso Doble«. Ein vermufftes deutsches Ehepaar, das mit einem Neonazi-Sohn und einer flippigen Tochter gesegnet ist, begibt sich auf Urlaub ins spanische Ausland und kommt darin um die Moral. Papa entdeckt seine Liebe zu einem stummen Toilettenjungen. Mama orientiert sich an einem Orientalen. Gedreht hat Lambert die deutsche Antwort auf Seifenopern des schlechten Geschmacks wie eh und je mit Laien. Als Hauptdarsteller wirken die Berliner Szeneasten »Ulrike S.« und Albert Heinz. Doch der Kameramann war diesmal ein Profi und die Ausrüstung üppiger. Damit, und mit knapp 100 000 Mark aus der Berliner Filmförderung, hat der stolze Kino-Dilettant ("Ex und hopp«, »Tiergarten") auch einen Teil seiner Amateur-Unschuld verloren.

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