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AUSSTELLUNGEN Pathos des Lebens

aus DER SPIEGEL 9/2007

Gleich sieben Ausstellungen werden in den nächsten Monaten zu seinen Ehren veranstaltet. Vor 150 Jahren kam der Maler, Grafiker und Bildhauer Max Klinger in Leipzig zur Welt. Der Sohn eines Seifenfabrikanten studierte an der Kunstakademie in Karlsruhe, hielt sich in Berlin, Brüssel, München, Paris und Rom auf und zog sich schließlich in die Beschaulichkeit seiner ostdeutschen Heimat zurück. Mit seinem ganz eigenen Symbolismus überschritt er weiterhin Grenzen. Er löste mit dem Bild von einem nackten Christus 1893 einen Skandal aus, er idealisierte und phantasierte, machte aus Beethoven einen grimmigen Komponistengott in Marmor. Es geht in seiner Kunst um das Pathos im Leben und häufig auch um den Tod, dem er zwei Radierzyklen widmete. Immer wieder zeigte er Alptraumhaftes. Das alles wurde irgendwann belächelt und strahlte dann doch wieder aus. Ein Surrealist wie der Italiener Giorgio de Chirico äußerte sich später begeistert. Privat blieb Klinger nur halbwegs unkonventionell. Die Schriftstellerin Elsa Asenijeff war Inspiration, Modell und Lebensgefährtin - und brachte 1900 in Paris die gemeinsame Tochter zur Welt, die aber sofort an eine Pflegemutter abgegeben wurde. Geheiratet hat Klinger kurz vor seinem Tod eine andere, 36 Jahre jüngere Muse. 1920 starb er in Großjena bei Naumburg. Eine der ihm gewidmeten Schauen beginnt am 11. März in seiner Geburtsstadt Leipzig und dort im Museum der bildenden Künste. In der Kunstgeschichte ist er beinahe eine Randfigur geworden - doch das dürfte sich nach diesem Klinger-Jahr ändern.

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