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Gestorben Paul Sorvino, 83

aus DER SPIEGEL 31/2022
Foto:

Ian West / PA / picture-alliance / dpa

Der 1939 in Brooklyn geborene Schauspieler war ein großartiger Nebendarsteller. Wenn man sieht, wie er in »GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia« (1990) Knoblauch schneidet, begreift man sofort, was für ein Mann der von ihm verkörperte Gangster ist. Mit einer Rasierklinge schneidet er ihn in hauchdünne Scheiben, erstaunlich, zu welcher Präzision seine Finger fähig sind. Ohne aufzublicken, sagt er zu einem seiner Leute: »Nicht zu viele Zwiebeln«. Dieser Mafioso hat ein über viele Jahre geschultes Gespür dafür, was um ihn herum passiert. Als Sorvino, der in vielen Filmen wie »Reds« oder »Die Firma« und in Serien wie »Law & Order« oder »That’s Life« zu sehen war, vor einigen Jahren gefragt wurde, ob er für die Rolle in »GoodFellas« gerne in Erinnerung bleiben würde, verneinte er dies. Er selbst sei ganz anders. Tatsächlich lag der Reiz seiner zahlreichen Gangster-Darstellungen darin, dass er mit seinen braunen Augen und seiner behäbigen Physis eher wie ein netter Onkel wirkte. Doch wenn sich seine Gesichtszüge verfinsterten, erstarrte seine Umgebung wie unter Blitzeis. Sorvino war ein künstlerisches Multitalent und schien sich gar nicht sicher zu sein, ob sein bildhauerisches Schaffen nicht vielleicht doch bedeutender gewesen kein könnte als sein schauspielerisches. Er sei auch ein ordentlicher Dichter und Pianist, bekannte er. Der Vater dreier Kinder, unter anderem der Schauspielerin Mira Sorvino, war offenbar ein ziemlich zufriedener Mann. Das Paradies habe er schon zu Lebzeiten kennengelernt, sagte er. Paul Sorvino starb am 25. Juli in Jacksonville, Florida.

LOB
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