Aufregung um Antifa-Ausstellung in Sachsen Canceln gecancelt

Das Künstlerkollektiv Peng! plante in Chemnitz eine Antifa-Ausstellung. Zunächst hieß es, die Gruppe wäre in letzter Minute ausgeladen worden. Dann wurde dementiert.

Eigentlich soll das Kunstfestival "Gegenwarten" am Samstag in Chemnitz eröffnet werden. Doch einen Tag zuvor hieß es plötzlich, das Berliner Künstlerkollektiv Peng!  müsse seinen Beitrag, eine Ausstellung zum Thema "Antifa - Mythos und Wahrheit", aus der Kunstsammlung der Stadt entfernen. Die Gruppe sei in letzter Minute ausgeladen worden, ließ es verlautbaren. "Chemnitz cancelt Antifa-Kunstausstellung", schrieb Peng! in einem Statement.

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Die Stadt allerdings dementierte. "Die Ausstellung bleibt wie sie ist", wurde über Chemnitz' offiziellen Twitter-Account gemeldet. Peng! bleibe ein Teil des "Gegenwarten"-Kunstfestivals. Woraufhin Peng! antwortete, der Gruppe sei unmissverständlich klar gemacht worden, dass die Ausstellung nun abgebaut werde. Und nun?

Das Künstlerkollektiv Peng! bleibt, hieß es am Freitagabend in einer Pressemitteilung der Kunstsammlung. Anders lautende Meldungen würden vom Generaldirektor Frédéric Bußmann zurückgewiesen. Samstag werde eröffnet.

Was war passiert?

Im Zuge der Ausstellungskonzeption sei es zu Missverständnissen gekommen, sagte Bußmann. Diese seien aber nun ausgeräumt. Bei Peng! hört sich das so an: Grund für die zurückgenommene Ausladung sei ein Teil der Ausstellung gewesen. Ein Wandtext kritisiere die "Hufeisentheorie", also die "fatale Gleichsetzung von Antifa und gewaltbereiten Neonazis", und deren Verbreitung durch CDU, FDP und AfD. Das Museum habe in allerletzter Minute gefordert, dass die Parteinamen entfernt würden und sich dabei auf das politische Neutralitätsgebot berufen.

"Die Strukturen in Sachsen sind aber offenbar so extremistisch, dass eine harmlose Kunstausstellung gecancelt wird, weil in einer Ecke drei rechte Parteien als Teil eines Kunstwerks erwähnt werden”, sagte die Pressesprecherin des Künstlerkollektivs, Nika Blum. Dieser Forderung nachzukommen, käme für das Kollektiv nicht in Frage, hieß es. Man sähe die Freiheit der Kunst bedroht. Vielleicht ist so der letzte Satz der Pressemitteilung der Kunstsammlung zu verstehen: "Die in dem Kunstprojekt verwendeten Texte werden nochmals unter dem Aspekt der Kunstfreiheit geprüft", heißt es darin. Es scheint also, als habe der Verweis auf den Artikel 5 des Grundgesetzes gewirkt.

Die Ausstellung setze sich kulturhistorisch mit den Mythen und Wahrheiten durch zehn Exponate antifaschistischer Arbeit auseinander, schreibt Peng! Für die Schau wurden zehn Objekte gekauft, darunter etwa die Spraydose Irmela Mensah-Schramms, mit der die "Polit-Putze" Hass-Graffitis übersprüht, oder ein Bierkasten, der den Anwohnern und Anwohnerinnen von Ostritz gewidmet ist, die den gesamten Biervorrat des örtlichen Supermarkts aufkauften, als sich dort Rechtsextremisten zu einem Festival trafen.

Für die Teilnahme am Kunstfestival, das von der Stadt Chemnitz und der Bundeskulturstiftung finanziert wird, habe Peng! eine Fördersumme von 20.000 Euro erhalten, berichtete die "taz" . Die Objekte hätten die Künstler für jeweils 1000 Euro unter dem Slogan "Staatsgelder für die Antifa" eingekauft, erklärt die Gruppe. Die Exponate können am 22. August auf Ebay ersteigert werden.

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Der Stadt Chemnitz dürfte diese Kontroverse nicht gelegen kommen: Die Stadt bewirbt sich als Europas Kulturhauptstadt 2025. Das "Gegenwarten"-Kunstfestival sollte die Bewerbung als weltoffene Stadt wohl unterstützen. Einige positive Schlagzeilen hätte Chemnitz nach den Krawallen von 2018 auch ganz gut gebrauchen können, nun als Stadt rechter Cancel Culture dazustehen, gar nicht. Mitbewerber Hannover bot dem Peng!-Kollektiv prompt "Kunstasyl" an.

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Und wem kommt diese Posse nun zu Gute? Vielleicht dem Künstlerkollektiv. Wäre das eine PR-Guerilla-Aktion, sie hätte für reichlich Werbung gesorgt.

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