Schwedischer Schriftsteller Per Olov Enquist ist tot

Mit dem Schriftsteller Per Olov Enquist starb einer der bedeutendsten Autoren Schwedens. Außenministerin Ann Linde dankte ihm für "fantastische Leseerlebnisse und kluge Gedanken".
Einer der ganz großen schwedischen Geschichtenerzähler: Per Olov Enquist mit Hund (Foto von 2011)

Einer der ganz großen schwedischen Geschichtenerzähler: Per Olov Enquist mit Hund (Foto von 2011)

Foto: SOREN ANDERSSON/ AFP

Der schwedische Schriftsteller Per Olov Enquist ("Der Besuch des Leibarztes") ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Das bestätigte die Familie des Autors den schwedischen Zeitungen "Dagens Nyheter" und "Aftonbladet" sowie dem dänischen Blatt "Politiken" .

Enquist schlief demnach am späten Samstagabend nach längerer Krankheit friedlich ein. "P.O. Enquist ist tot. Danke für fantastische Leseerlebnisse, kluge Gedanken und inspirierende Debattenbeiträge", schrieb die schwedische Außenministerin Ann Linde am Sonntagmorgen auf Twitter.

Enquist habe ein "Modell des gesellschaftsengagierten Dichters" gesetzt, das Generationen von jüngeren Schriftstellern beeinflusst habe, würdigte ihn der Kulturchef von "Dagens Nyheter", Björn Wiman: "P.O. Enquists Bedeutung für das schwedische Kulturleben seit den Sechzigerjahren kann nicht überbewertet werden."

Fromme Jugend und Hochspringer-Träume

Der Schriftsteller wurde am 23. September im nordschwedischen Dorf Hjoggböle geboren. Er wuchs bei seiner Mutter auf, einer Volksschullehrerin, die ihn im pietistischen Ernst der "Pfingstkirche" erzog. Der Vater starb, als Per Olov Enquist gerade sechs Monate alt war. Enquist wehrte sich gegen die Forderung seiner Mutter, Pastor zu werden.

Nachdem der hochgewachsene Mann zunächst eine Hochspringerkarriere angestrebt und es fast bis zu den Olympischen Spielen geschafft hatte, studierte er Literaturwissenschaften in Uppsala - und begann mit dem Schreiben.

Während des Studiums schloss er sich dem Kreis der "jungen Wilden" um die Zeitschrift "Rondo" an, international bekannt wurde er 1968 mit dem Dokumentarroman "Die Ausgelieferten": ein Werk über die Deportation baltischer NS-Kollaborateure von Schweden in Stalins Sowjetunion.

Auf die Frage, warum er Schriftsteller wurde, antwortete Enquist einmal im Interview: "Wenn man sich an diese einfache Familie zurückerinnert, der ich entstamme, kann man in vielen meiner Vorfahren einen Drang nach Schönheit erkennen." Als Journalist berichtete Enquist unter anderem über die Olympischen Spiele 1972 in München. Nach längeren Aufenthalten in West-Berlin, Los Angeles, Paris und Kopenhagen lebte der Autor seit 1977 wieder in Schweden.

International ausgezeichnet

Mit Werken wie "Das Buch von Blanche und Marie" und "Strindberg. Ein Leben" zählt Enquist zu den bekanntesten Schriftstellern Schwedens. Er wurde mehrmals ausgezeichnet, darunter 2002 mit dem Deutschen Bücherpreis für Internationale Belletristik für den "Besuch des Leibarztes": ein Werk über den am dänischen Hof angestellten deutschen Arzt und Aufklärer Johann Friedrich Struensee.

Den August-Preis erhielt er für seine Autobiografie "Ein anderes Leben". Hier schilderte er unter anderem seine fromme Jugend, seine Zeit in Deutschland sowie seinen Kampf gegen die Alkoholsucht. Enquist hatte einen Herzfehler und erlitt 2016 einen Schlaganfall, wie er zwei Jahre später in einem Interview mit dem schwedischen Radio erzählte.

Angst vor dem Tod habe er seit seinem Sieg über den Alkoholismus 1990 keine mehr, sagte Enquist 2011 im Interview mit der "taz" . "Alle Jahre waren und sind ein Geschenk. Das werde ich mir sagen, wenn es wirklich einmal zu Ende geht", so der Schriftsteller. Enquist hinterlässt seine Frau Gunilla Thorgren, zwei Kinder sowie drei Stiefkinder.

dpa/kik
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