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Gestorben Peter Brook, 97

aus DER SPIEGEL 28/2022
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Lionel Bonaventure / AFP

Er war ein Prediger der Schlichtheit und der Askese, das machte seine Theaterarbeiten revolutionär und mitunter auch ganz schön langweilig. »Der leere Raum« heißt das 1968 erschienene Buch, in dem der bereits früh erfolgreiche Bühnen- und Filmregisseur Peter Brook Vorträge zusammenfasste und für die Theaterkunst eine Reduktion aufs Wesentliche forderte. »Wir müssen in der nachbrech­tischen Epoche einen Weg vorwärts finden, der zu Shakespeare zurückführt«, lautet eine für Brooks Dialektik typische Botschaft. Seine Lehren beeinflussten Theaterregisseurinnen und -regisseure in aller Welt. Brook war in einer aus Lettland nach Großbritannien ausgewanderten russisch-jüdischen Familie aufgewachsen und galt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zunächst als begabter Shakespeare-Regisseur. Neben Opern und Kinofilmen, darunter die Literaturadaption »Herr der Fliegen« (1963), inszenierte er mit klugem, genauem Blick Stücke zeitgenössischer Dramatiker wie Jean Genet, Jean-Paul Sartre und Peter Weiss. Anfang der Siebziger gründete er in Paris eine der Erforschung von möglichst ursprüng­lichen Darstellungsformen verpflichtete Truppe aus Bühnenkünstlern asiatischer, afrikanischer und westlicher Herkunft, die den Arbeitsort, das Théâtre des Bouffes du Nord, weltberühmt machte. Eine »Carmen« (1981), deren Bühnenbild praktisch aus einem Haufen Sand bestand, und Brooks in Avignon uraufgeführte Version des indischen Epos »Mahabharata« (1985) tourten durch viele Länder. Peter Brook starb am 2. Juli in Paris.

höb
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