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Photos aus 1001 Nacht

aus DER SPIEGEL 3/1989

Den Männern die blumigen Märchen, den Frauen die düstere Wirklichkeit - aus 1001 Nacht: 50 Jahre lang bewahrte Re Soupault, 87, die in Paris lebende Ehefrau des Surrealisten Philippe Soupault, 91, die Photographien auf, die sie 1938 im »Quartier reserve« der damals französischen Protektoratsstadt Tunis aufnehmen konnte - mit einer Ausnahmeerlaubnis des Scheichs der Medina, eine bedrückende Exklusivität. Nun hat die alte Dame für den Heidelberger Wunderhorn-Verlag ein spätes Buch aus ihren Erinnerungen gemacht: »Eine Frau allein gehört allen« (8 Seiten Text, 35 Photos, 36 Mark). Der Titel ist bezeichnend. Denn zu einer Zeit, als selbst die reichen Frauen des Orients ihr Leben im Harem zubrachten, verborgen hinter »mouschrabijat« genannten Fenstern aus Holzgittern, und die armen beim Verkauf weniger abwarfen als ein Esel, wurden im »Reservierten Viertel« die Niedrigsten der Niedrigen eingesperrt: Frauen, die von ihrem Mann verstoßen worden oder, seltener, ganz einfach ohne Familie waren. In elenden Hütten blieb ihnen nur die Prostitution.

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