"Sie zeichnen den Propheten nicht mehr. Sie trauen sich keine Wiederveröffentlichung. Sie werden davon bald nicht mehr sprechen. Wir haben gewonnen. Hass." Zeichnung: Pierre Kroll

"Sie zeichnen den Propheten nicht mehr. Sie trauen sich keine Wiederveröffentlichung. Sie werden davon bald nicht mehr sprechen. Wir haben gewonnen. Hass." Zeichnung: Pierre Kroll

Zeichner über Mohammed-Karikaturen und Selbstzensur "Die Terroristen haben gewonnen"

Ein Interview von Marco Kasang
Der belgische Karikaturist Pierre Kroll erklärt, warum er keine Bilder des Propheten zeichnet, was der Mord an Samuel Paty in ihm auslöst und wieso er fürchtet, dass sein Gewerbe ausstirbt.

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SPIEGEL: Herr Kroll, kann man aktuell über Corona lachen?

Kroll: Ja, ich habe viel gezeichnet in den letzten Monaten. Aber manchmal, wenn ich diese armen Politiker sehe, habe ich ehrlich gesagt Mitleid. Sie wissen nicht, wann das Virus verschwinden wird, sie wissen nichts. Deshalb mache ich mich nicht so sehr über die Situation lustig wie sonst.

Foto: ohne

Pierre Kroll ist Karikaturist und Stammzeichner der belgischen Tageszeitung Le Soir. Viele seiner ersten Zeichnungen hält er auf Bierdeckeln fest, später erscheinen sie u.a. in Courrier International, Libération und SPIEGEL sowie auf Arte. Er ist aktives Mitglied der internationalen Organisation Cartooning for Peace . Vor Kurzem ist sein neues Album erschienen: https://kroll.store/collections/albums/products/une-annee-sans-fin 

SPIEGEL: Der Lehrer Samuel Paty wurde kürzlich in Frankreich ermordet, nachdem er in seiner Schule Karikaturen gezeigt hatte. Trifft Sie das, haben Sie Angst davor, was das für Sie bedeutet?

Kroll: Ich habe nicht wirklich Angst, dass mir persönlich etwas zustößt. Mit meinem Freund Jean Plantureux, dem Karikaturisten der französischen Tageszeitung "Le Monde", war ich an Schulen im Brüsseler Problemviertel Molenbeek, um unsere Karikaturen zu zeigen – keine des Propheten, solche habe ich nie gezeichnet. Aber zum Beispiel diese eine, in der es um Respekt vor allen Religionen geht. In der Zeichnung stelle ich diese Aussage infrage (siehe unten). Ein paar Jugendliche haben mir gesagt: "Ich mag diese Zeichnung wegen ihres Titels, Respekt ist wichtig." Sie hatten die Zeichnung anscheinend nicht verstanden. Als ich gesehen habe, was Samuel Paty an seiner Schule versucht hatte, dachte ich, dass wir Karikaturisten gefährliche Dinge tun. Ich habe etwas Ähnliches versucht wie Paty. Ich gehe aber nicht mehr an die Schulen.

Respekt vor allen Religionen haben. "Hängt er gerade?" (Wortspiel: Liegt er richtig?) Zeichnung: Pierre Kroll

Respekt vor allen Religionen haben. "Hängt er gerade?" (Wortspiel: Liegt er richtig?) Zeichnung: Pierre Kroll

SPIEGEL: Die Karikaturen von "Charlie Hebdo" wurden nach dem Mord an Samuel Paty auf Gebäudefassaden in Toulouse und Montpellier projiziert, man konnte sie auf riesigen Hauswänden sehen.

Kroll: Das ist wirklich absurd. Die Zeichnungen in "Charlie" wurden nicht erdacht, um das offizielle Bild Frankreichs zu werden. Die Karikaturisten wollen nicht als Nationalflagge herhalten. Aber Emmanuel Macron ist gezwungen, Recep Tayyip Erdoğan zu sagen: Sie haben aus den Karikaturen Waffen gegen mich gemacht, ich mache daraus Waffen gegen Sie.

SPIEGEL: Was unterscheidet "Charlie Hebdo" von anderen Satiremagazinen und Karikaturisten?

Kroll: "Charlie" ist vielleicht die einzige Satirezeitung der Welt, die sich über Religionen mit sexuellen, sogar pornografischen Bildern lustig macht. Deswegen wird die Zeitung gekauft. Ihr Programm besteht darin, so weit zu gehen wie möglich, und darüber hinaus. Macron wird aktuell gezwungen, das zu verteidigen, obwohl er sicher lieber Victor Hugo oder Voltaire verteidigen würde. Aber das Ganze ist so gewalttätig geworden, dass er keine Wahl hat. Das nervt ihn sehr, denke ich.

SPIEGEL: Versteht Erdoğan Ihre neue Karikatur über ihn?

Boykottiert französische Produkte. "Diese Woche also wieder kein Camembert, keine Foie Gras, keine Meinungsfreiheit, keine Trennung von Kirche und Staat." – "Wie letzte Woche?" Zeichnung: Pierre Kroll

Boykottiert französische Produkte. "Diese Woche also wieder kein Camembert, keine Foie Gras, keine Meinungsfreiheit, keine Trennung von Kirche und Staat." – "Wie letzte Woche?" Zeichnung: Pierre Kroll

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