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Polit-Porno vom Italo-Hengst

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aus DER SPIEGEL 7/1986

Sylvester Stallone ist wirklich so dumm, wie er aussieht. Nach seinem »Rambo II« hat auch »Rocky IV« alle Qualitäten, zu Ronald Reagans Lieblingsfilm zu werden. Das Drehbuch scheint mit dem Boxhandschuh geschrieben, und Regie hat er offenbar mit zugeschwollenen Augen geführt. Einzig sehenswert: der Doppelgänger von Michail Gorbatschow, der so perfekt agiert, daß die Maske sogar auf das typische Muttermal am Kopf verzichten konnte. Vor dem Kremlchef wird der Boxkampf der Systeme ausgetragen. Ohne Gage, nur für Ehre und Vaterland, tritt Rocky gegen den »sibirischen Totengräber« Ivan Drago an, der von dem hünenhaften Grace-Jones-Freund Dolph Lundgren gespielt wird. Das hätte vielleicht ein ganz lustiger Kommunistenfresser-Comic werden können, aber Stallone hat ein biertischernstes Anliegen. Nachdem der »italienische Hengst«, der seine Filmkarriere mit einem Hardcore-Porno begann, seinen Gegner halbtot geschlagen hat und nachdem die Jubelrussen in der Moskauer Arena die Fronten gewechselt haben, kommt er ihnen mit Entspannung: Es sei besser, zwei Männer prügelten sich im Ring, als daß sich 20 Millionen gegenseitig umbrächten. Alles nicht der Rede wert, wenn »Rocky IV«, der diese Woche bei uns seinen Massenstart hat, nicht auf dem Weg zum - nach Kasse - erfolgreichsten Film der Kinogeschichte wäre.

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