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Popmusik

aus DER SPIEGEL 43/1971

Sie haben nichts zu sagen und zu singen über Papst und Pille, aber als Werbetrick kam die päpstliche Enzyklika zur Geburtenkontrolle vier Berliner Popmusikern gerade recht. Sie nannten sich »Birth Control« und brachten sich mit einer Plattenhülle, auf der Monster und Vampire unter der segnenden Hand Pauls VI. Babys verspeisen, erfolgreich ins Gerede -- ein Lehrstück zeitgemäßer Publicity-Mache: In Deutschland protestierten katholische Geistliche gegen die »Pornogruppe«, in der Schweiz wurden Plakate der Band verboten; in England weigerten sich die Packerinnen einer Plattenfirma, das »Birth Control«-Cover auszuliefern. Die Skandale, vom Popmusik-Manager Rolf-Ulrich Kaiser »präzise und überlegt« in einem »Karriere-Plan« eingeplant, machten sich bezahlt: In 14 Ländern werden die Berliner Rock-Sakrilege bereits angeboten; englische und amerikanische Plattenfirmen zahlten der umstrittenen Kapelle 100 000 Mark Lizenzvorschüsse. Jubelt Kaiser: »"Birth Control' ist das Provinzler-Odium endlich los.«

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