Audioguide für Aktmalerei Uffizien und Louvre prüfen rechtliche Schritte gegen Pornhub

Manche Kunst könne als Pornografie angesehen werden, behauptet ein Porno-Portal, und bietet einen Museumsführer zu klassischen Aktgemälden an. Die renommierten Institutionen sind nicht begeistert.
Botticellis »Geburt der Venus«: Das Original in den Uffizien, im Video von Cicciolina nachgestellt

Botticellis »Geburt der Venus«: Das Original in den Uffizien, im Video von Cicciolina nachgestellt

Foto: UniversalImagesGroup / Getty Images

Die in Montreal gegründete Pornoplattform Pornhub steht wegen der Verbreitung von Darstellungen sexualisierter Gewalt in der Kritik. Offenbar, um den schlechten Ruf zu korrigieren, fällt Pornhub immer mal wieder durch PR-Aktionen auf. Als solche ist wohl die Website und App »Classic Nudes« zu betrachten, die das Unternehmen unlängst veröffentlichte. Im Begrüßungstext heißt es, viele sähen Pornografie nicht als Kunst an, aber manche Kunstwerke seien definitiv als pornografisch zu bezeichnen.

»Classic Nudes« versteht sich als interaktiver Museumsführer »zu den sexysten Szenen in den berühmtesten Museen der Welt«. Werke aus den Uffizien in Florenz, dem Musée d'Orsay und dem Louvre in Paris, dem Prado in Madrid, der National Gallery in London und dem New Yorker Metropolitan Museum werden vorgestellt – und damit es nicht zu eurozentrisch wird, gibt es unter »Another Perspective« auch noch Akt-Kunstwerke aus anderen Kulturkreisen. In der Tradition der »tableaux vivants« werden einige der kunstgeschichtlich gerühmten Nacktszenen dann in bewegte Bilder verwandelt.

Eine vergleichsweise jugendfreie Version ist in einem Werbeclip bei YouTube zu sehen, wo sich Ilona Staller, ehemalige Pornodarstellerin, Politikerin und Ex-Frau des Kunststars Jeff Koons, in die Nackte aus Botticellis »Geburt der Venus« verwandelt. Das Originalgemälde hängt in den Uffizien.

Wie italienische Medien berichten, reagierte das Museum in Florenz, seit 2015 geleitet vom deutschen Kunsthistoriker Eike Schmidt, pikiert auf die offenbar unabgesprochene Nutzung seiner Ausstellungsstücke. Schmidt selbst wollte sich zwar auf Anfrage des »Corriere della Sera«  nicht äußern, aber die Zeitung zitiert Quellen, nach denen sich das Haus an die zuständigen Regierungsstellen gewendet habe, weil man eine schwere Urheberrechtsverletzung in dem Pornhub-Guide sehe.

Auch im Louvre in Paris, wo unter anderem das Porträt von »Gabrielle d'Estrées mit ihrer Schwester« die Fantasie der Pornhub-Experten anregte, will man diesen Umgang mit den ausgestellten Werken nicht hinnehmen: »Pornhub hat von unseren Anwälten gehört«, zitierte die US-Website »Daily Beast«  einen Sprecher des Museums: »Wir erwarten, dass die Werke sofort entfernt werden.«

feb
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