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RECHTSSTREIT Posse um Goethes Club

aus DER SPIEGEL 5/1999

Herbe Vorwürfe über Mißwirtschaft und Kungelei in der Münchner Zentrale des Goethe-Instituts präsentierte ein Bericht des »SZ-Magazins« am vergangenen Freitag. Der Beitrag ("Der Club des toten Dichters") in der Beilage der »Süddeutschen Zeitung« erschien trotz einer von der Berliner Literaturagentin Karin Graf erwirkten Unterlassungsverfügung. Graf, Ehefrau des Goethe-Generalsekretärs Joachim Sartorius, wehrte sich gegen die Wiedergabe von Gerüchten, sie habe »einen noch nicht ganz von ihrer Agententätigkeit überzeugten Literaten« mit Auslandstrips des staatlichen Goethe-Instituts geködert. Die Zustellung der am Donnerstag erwirkten einstweiligen Verfügung des Berliner Landgerichts durch eine Münchner Gerichtsvollzieherin gestaltete sich schwierig. Die Redaktion sei »offenbar vorgewarnt« worden, so Graf-Anwalt Jan Hegemann: »An der Tür hing mittags ein Schild ,Wegen Reinigung geschlossen'.« Die Verfügung sei schließlich der einzig im Verlagsbüro verbliebenen Sekretärin in die Hand gedrückt worden, die sich allerdings für unzuständig erklärt habe. Die Beilage erschien wie geplant. Sollte ein Gericht die Zustellung für rechtmäßig erklären, droht dem »SZ-Magazin« ein Zwangsgeld von bis zu 500 000 Mark; zudem will Graf Schmerzensgeld fordern. Kommentar von »Magazin«-Chefredakteur Ulf Poschardt: »Wir sehen der Auseinandersetzung gelassen entgegen.«

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