Pottermania "Bitte, bitte, nimm mein Geld"

Hunderte von Buchläden und Supermärkten in Großbritannien wurden in der Nacht zum Samstag von Harry-Potter-Fans gestürmt. Pünktlich um Mitternacht begann der Verkauf des fünften Potter-Bandes. Viele blätterten sofort zum Ende des Buches - um dort ein düsteres Geheimnis zu erfahren.


Geisterstunde: Kinder drängeln sich um Mitternacht in einem Londoner Buchladen
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Geisterstunde: Kinder drängeln sich um Mitternacht in einem Londoner Buchladen

London - Autorin Joanne K. Rowling hatte die Neugier der Potter-Fans in den vergangenen Tagen mit Kurzinterviews und geheimnisvollen Andeutungen noch einmal kräftig angeheizt. In einem BBC-Interview erzählte sie Anfang der Woche, wie sie in der Küche bittere Tränen geweint habe, nachdem sie eine der Hauptfiguren ihrer Geschichte umgebracht hatte. Seither rätselten Millionen Potter-Fans: Muss Ron Weasly sterben? Hermine Granger? Hagrid?

In den frühen Morgenstunden erfuhren Tausende die Antwort. Sie konnten die Spannung nicht länger ertragen und schlugen sofort die letzte Seite des Buches auf. Die 32-jährige Tracey Ruck, die den neuen Potter als eine der ersten in einer Waterstone's Buchhandlung am Londoner Picadilly Circus ergatterte, sagte der britischen Zeitung "The Guardian" mit zitternder Stimme: "Ich weiß, wer gestorben ist. Ich gehe nach Hause, um mich zu erholen."

Keine Zauberei - Bücher fliegen aus den Regalen

Tausende von Fans die teilweise acht Stunden lang vor den Geschäften ausgeharrt hatten, drängelten sich um Mitternacht um die Verkaufstresen. Kinder und Erwachsene erschienen in Harry-Potter-Kostümen. "Bitte, bitte, nimm mein Geld", rief ein 13-jähriges Mädchen flehentlich. Zeitgleich, um 1.00 Uhr MESZ, hatte der Verkauf auch in Deutschland begonnen. Einige Flughafen-Buchläden gehörten zu den ersten, die den neuen englischsprachigen Band verkauften. Am Morgen begann im gesamten deutschen Buchhandel die "Pottermania".

Hellwach. Ein Mädchen liest am frühen Samstagmorgen am Frankfurter Flughafen im neuen Potter
DPA

Hellwach. Ein Mädchen liest am frühen Samstagmorgen am Frankfurter Flughafen im neuen Potter

In ihrer Heimatstadt Edinburgh mischte sich Erfolgsautorin Rowling unter die begeisterten Fans. "Für mich ist es das Schönste, mit den Kindern zu reden, die meine Bücher lesen", sagte sie der britischen Press Association.

Die fünfte Folge, auf die die Fans drei Jahre warten mussten, verspricht laut BBC schon jetzt das "am schnellsten verkaufte Buch der Geschichte" zu werden. Für den weltweiten Absatz wurden 13 Millionen Exemplare gedruckt. Die deutschsprachige Ausgabe soll am 8. November erscheinen. Viele deutsche Fans hatten sich die Originalausgabe über das Internet bestellt.

Nach Angaben von Buchläden und Supermarktketten in Großbritannien "flogen" die 768 Seiten dicken Bücher landesweit förmlich aus den Geschäften. Ein Supermarkt, der wie viele Läden in Großbritannien rund um die Uhr geöffnet hat, berichtete vom Verkauf von "zwei Büchern pro Minute". Eine andere Kette meldete den Absatz von hunderten von Exemplaren innerhalb einer Viertelstunde.

Harry wurde im Zug geboren

Die Idee zu Harry Potter war der britischen Schriftstellerin 1990 während einer Zugfahrt von Manchester nach London gekommen. 1997 gelangten die ersten 500 Exemplare des Auftaktbandes "Harry Potter und der Stein der Weisen" in die Regale einiger Kinderbuchabteilungen. Seitdem haben sich die ersten vier der auf sieben Bände angelegten Reihe in 200 Ländern über 200 Millionen Mal verkauft und sind in 55 Sprachen übersetzt worden.

Das Vermögen der vor sechs Jahren noch in bescheidenen Verhältnissen lebenden Autorin Rowling, 37, wird mittlerweile auf annähernd 400 Millionen Euro geschätzt. Schon in der ersten Verkaufsnacht könnte Rowling nach Schätzungen der BBC um 42 Millionen Euro reicher werden. Der Jahresumsatz der "Potter-Industrie" einschließlich Filmen und Spielzeug soll sich auf vier Milliarden Euro belaufen.



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