Jahresbericht des Presserats Fast die Hälfte aller Rügen betrifft »Bild« und ihre Ableger

2021 haben deutsche Medien wieder häufiger gegen den Pressekodex verstoßen: 60 Rügen, die schwerste Sanktion, weist der Jahresbericht des Presserats aus. Allein 26 betreffen »Bild« und ihre Ableger.
Werbeaufsteller für die »Bild«-Zeitung

Werbeaufsteller für die »Bild«-Zeitung

Foto: Michael Gstettenbauer / IMAGO

Der Deutsche Presserat hat 2021 wieder häufiger die Rüge als seine schärfste Sanktion gegen deutsche Medienhäuser ausgesprochen. 60 Rügen waren es im vergangenen Jahr, 2020 waren es noch 53 gewesen, wie die freiwillige Selbstkontrolle der Presse – also von Zeitungen, Zeitschriften und Onlinemedien – am Mittwoch in Berlin mitteilte. Hinzu kamen 83 Missbilligungen und 97 Hinweise, die schwächere Sanktionen sind.

Eine öffentliche Rüge bedeutet, dass das entsprechende Medium diese transparent für die Leser veröffentlichen muss. Immer wieder hatte es in der Vergangenheit Kritik gegeben, wenn Pressehäuser dieser Vorgabe nicht gefolgt waren. Bis Ende Februar hatten Medienhäuser rund 80 Prozent der 2021 ausgesprochenen Rügen publik gemacht, wie es weiter im Jahresbericht des Presserats hieß.

Aus der Übersicht der 2021 ausgesprochenen Rügen  lässt sich entnehmen, dass 26 von insgesamt 60 Rügen die »Bild«-Zeitung, ihren Onlineauftritt oder ihre Sonntagsausgabe »Bild am Sonntag« betreffen.

Jede dritte Rüge (22) gab es dieses Mal, weil Redaktionen den Persönlichkeitsschutz nach dem Pressekodex verletzten: Fotos, Namen oder sensible Informationen über Betroffene wurden dabei ohne deren Zustimmung publiziert. 21 Rügen kamen rund um den Komplex Schleichwerbung hinzu. Das betraf überwiegend Zeitschriften. Zum Beispiel stieß sich der Presserat daran, wenn Anzeigen für Präparate direkt neben redaktionellen Artikeln zu demselben Produkt platziert wurden. Die Selbstkontrolle betonte, dass die Verquickung von Werbung und redaktionellen Inhalten die Grenze zur Schleichwerbung überschreite und die Gefahr berge, »das Ansehen der Presse insgesamt zu schädigen«.

Rügen auch zu Pandemieberichterstattung

Auch die Coronapandemie spiegelt sich in den Rügen wider. Fünfmal fielen Berichte mit Coronabezug darunter, wie es weiter hieß. Zum Beispiel hätten diese unbegründete Hoffnungen geweckt oder Studien sowie behördliche Angaben seien falsch wiedergegeben worden.

Die Zahl der Beschwerden ging nach dem Rekord 2020, als es mit 4085 fast doppelt so viele gegeben hatte wie 2019, wieder zurück – bleibt aber auf hohem Niveau. 2021 erreichte die Selbstkontrolle 2556 Beschwerden. Regionale Tageszeitungen waren am häufigsten Beschwerdegegner, gefolgt von Boulevardzeitungen, Zeitschriften und überregionalen Tageszeitungen. Mehr als 90 Prozent der Beschwerden kamen von Privatpersonen. Die übrigen von Vereinen, Parteien, Unternehmen oder Behörden.

Der Presserat nahm fast 1100 Beschwerden (42 Prozent) nicht zu einer Prüfung an. Er nannte dafür mehrere Gründe: Zum Beispiel bezogen sich diese auf die Nicht-Veröffentlichung von Leserbriefen. Oder sie drehten sich um Artikel, die schon älter als ein Jahr waren und damit die Beschwerdefrist abgelaufen war. Auch Beschwerden über Radio- oder Fernsehbeiträge wurden abgelehnt, weil der Rat dafür gar nicht zuständig ist.

hpi/dpa