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Puls auf dem See

aus DER SPIEGEL 48/1971

Ein Lichtbild-Fries und eine Wasserwolke sollen für Olympia strahlen. Weil der Pop-Klassiker Andy Warhol auf Post aus München nur zögernd reagierte, vertraute die Olympia-Baugesellschaft (OBG) den Schmuck ihrer Schwimmhalle nunmehr dem Düsseldorfer Gerhard Richter, 39, an, der ein überzeugendes Konzept vorlegte: Richter, bekannt als Maler nach Photo-Vorlagen, will diesmal die Photographien selber zeigen -- viel Meter hohe Dias nach eigenen Landschafts- oder Wolkenaufnahmen. die an der Hallenwand zu einem durchlaufenden Fries von 92 Meter Länge gereiht und von rückwärts beleuchtet werden sollen (veranschlagte Kosten: 300 000 Mark). Den größten Posten des jetzt auf viele Projekte verteilten Kunst-Etats reservierte die OBG für ein bemerkenswertes Unternehmen, das sein Erfinder Heinz Mack, 40, als Vermittlung »zwischen Natur und Architektur« beschreibt. Der Mönchengladbacher Lichtkünstler hat eine Wasser- und Nebelwolke vorbereitet, die sich durch 1000 Düsen aus dem Olympia-See erheben und phasenweise »ruhig pulsieren«, doch auch zu einer 40 Meter hohen Säule aufsteigen soll. Die Kostenschätzungen für das nachts zu beleuchtende Spektakel liegen um 1,5 Millionen Mark -- noch höher als beim umstrittenen Erdschacht des Amerikaners Walter de Maria. Diese »Skulptur« jedoch war den Bau-Herren, bei denen auch Mack bisweilen empfangen wurde, »als käme ich direkt vom Mond«, angeblich zu teuer, und eine Baumaterial-Assemblage, die der US-Künstler Carl Andre als Entwurf einer größeren Arbeit erstellt hatte, weckte nur ihr Befremden. Damit bleibt die Olympia-Kunst das Monopol der Deutschen -- der Deutsche Richter: »Eine Katastrophe.«

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