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SCHALLPLATTEN / NEU IN DEUTSCHLAND Purpur vom Piano

Olivier Messiaen: »Huit Préludes«; »Quatre Etudes de Rhythme«. Yvonne Loriod, Klavier. Erato STU 70 433; 25 Mark.
aus DER SPIEGEL 45/1968

Mit 20, als der französische Neutöner und Naturschwärmer Messiaen, 59, Töne und Intervalle noch nicht dem Steinschmätzer, dem Girlitz und anderen seltenen Vögeln ablauschte, hörte er sich am liebsten bei Debussy um. Und wie Debussy versteckte der Pianist hinter dem Titel »Préludes« eine Reihe von

Klavierstudien, bei denen der Virtuose mit kniffilgen Akkorden, rasanten Läufen und vertrackten Sprüngen extravagante Klangfarben anschlagen oder abtasten muß -- vorzugsweise »violett, orange und purpur«.

Auch in den

1949/50 notierten »Etudes« verlangt Messiaen. der Musik gern als »theologischen Regenbogen« deutet, von seinen Interpreten regenbogenbunte Nuancen. Neben der Kolorierungskunst erfordern die vier Stücke -- zwei von ihnen sind den Papuas auf Neuguinea gewidmet -- -- Fingerspitzengefühl für exotische Rhythmen und schlagfeste Hände für grelles Fortissimo.

Yvonne Loriod, 44, Avantgarde-Propagandistin am Piano, Messiaen-Missionarin und häufige Begleiterin des Komponisten bei gemeinsamen Vogel-Exkursionen, spielt Messiaens »Musik der bunten Kirchenfenster« mit flexiblen Fingern und ausgeklügelter Pedalisierung als profane Bravournummern.

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