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AUSSTELLUNGEN Rasierter Führer

aus DER SPIEGEL 44/2000

Hergebrachter Kirchenprunk versetzte reformierte Gläubige des 16. Jahrhunderts in die Raserei des »Bildersturms": Innige Andachtsbilder wurden wild zerkratzt, elegante Heiligenfiguren endeten brockenweise in der Bauschutt-Grube. »Wahnsinn oder Gottes Wille?«, fragt jetzt das Historische Museum in Bern. Mit etwa 300 Kultobjekten, geretteten wie ramponierten, vergegenwärtigt es vom 2. November bis zum 16. April »eine der größten kulturellen Umwälzungen, die das Abendland je erfahren hat« (so Hausherr Peter Jezler). Lebensgroße Puppen stellen in Kirchenraum-Kulissen jene Verwüstungen nach, die für die einen den Abschied vom Götzendienst, für andere ein barbarisches Sakrileg bedeuteten. Komplett gezeigt wird erstmals eine Berner Ausgrabung von 1986: Skulpturenfragmente, die 1528 auf dem Münsterfriedhof verscharrt worden waren. Auch spätere Bilderstürme, wie die der Französischen Revolution, stehen zur Schau. Den Schlussgag liefert eine Hitler-Büste, der ein deutscher Steinmetz nach dem Krieg Schnauzer und Stirnlocke abschlug. Weil es ihm aber doch nicht recht gelingen wollte, den aus der Mode gekommenen Führer in einen Adenauer umzugestalten, blieb er auf seinem Zwitter sitzen.

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