Techno-Spektakel Loveparade-Gründer Dr. Motte plant neuen Rave in Berlin

Die Loveparade zählte zu den wichtigsten Techno-Events der Neunzigerjahre – sie endete in Duisburg in einer Katastrophe. Jetzt will der Gründer 25.000 Menschen zu einem neuen Rave locken.
Dr. Motte

Dr. Motte

Foto: Annette Riedl / dpa

Die Neunzigerjahre sind wieder da: Der Gründer der Loveparade Dr. Motte plant am 9. Juli in Berlin ein neues Techno-Spektakel namens »Rave the Planet«. Das Team der Parade um Dr. Motte rechnet bislang mit 25.000 Menschen auf den Straßen; 150 Künstler und Künstlerinnen sowie 18 Musikwagen werden erwartet.

Die »Rave The Planet Parade« versteht sich als politische Demonstration mit einem Katalog von Forderungen, wie die Veranstalter betonen. Es geht demnach etwa um die Anerkennung und den Erhalt der elektronischen Tanzmusikkultur als kulturelle Leistung. Technokultur in Berlin soll demnach auf die UNESCO-Liste als immaterielles Kulturerbe aufgenommen werden.

Auf der Homepage  heißt es, zwei Jahre Pandemie und Social Distancing hätten ihre Spuren in der Gesellschaft hinterlassen. Es sei Zeit, das Trennende zu überwinden und endlich wieder zusammenzufinden. »Auch die aktuelle Weltsituation ist angespannt. Kriege und Schreckensbilder, wie derzeit in der Ukraine, bestimmen unseren Alltag und die Medien. Einmal mehr ist es wichtig, das Gute zu stärken und zu zeigen, dass es auch anders geht.«

Mit der Loveparade, die Dr. Motte als Marke seit Langem nicht mehr gehört und die in Duisburg vor zwölf Jahren katastrophal endete, habe die Neugründung nicht viel zu tun. »Wir erzählen die Geschichte des Spirits der Loveparade weiter«, sagte der 61-Jährige, aber damit hören schon die Gemeinsamkeiten auf. »Das wird ein freudiger Event werden, in dem wir mit den Behörden abgestimmte Sicherheitskonzepte umsetzen werden.«

Die geplante Route soll dabei vom Kurfürstendamm, Potsdamer Platz und Brandenburger Tor in Richtung Siegessäule führen. Neben Musik sind Reden geplant, außerdem soll 25 Mal ein bedingungsloses Grundeinkommen von 12.000 Euro im Jahr verlost werden.

Dr. Motte, der eigentlich Matthias Roeingh heißt, hatte vor mehr als 30 Jahren die Loveparade in Berlin gegründet. 1989 war sie noch ein kleines Fest, bei dem 150 Technofans unter dem Motto »Friede, Freude, Eierkuchen« auf dem Kurfürstendamm tanzten. Fünf Jahre nach dem Start feierten 120 000 Raver. 1999 zählten die Veranstalter 1,5 Millionen Besucher.

Mangels Sponsoren fiel die Loveparade in den Jahren 2004 und 2005 aus – bis ein Fitnessstudio-Unternehmer einsprang. In Berlin fand die Parade bald mit dem Senat keinen Konsens mehr und wanderte ins Ruhrgebiet ab, wo sie in Essen (2007) und Dortmund (2008) wiederum viele Besucher anlockte. Bochum verzichtete ein Jahr später aus Platz- und Sicherheitsgründen. 2010 kam es dann in Duisburg in der Menschenmenge zur Katastrophe. 21 Menschen starben und mehr als 500 weitere wurden verletzt.

ipp/dpa
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