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GESCHICHTE Reiseführer ins Exil

aus DER SPIEGEL 47/1998

In Trinidad sind »Hotelgründungen erwünscht« und Bergbaufachleute willkommen, nach Ägypten hingegen dürfen »Nichtarier« kaum einwandern: So lakonisch und klar konnten sich Menschen, die als Juden aus Hitlers Deutschland emigrieren mußten, über ihre Chancen informieren. In einem Lexikon für Auswanderer stellte der Buchverlag Philo aus Berlin 1938 eine Menge Daten und Tips zusammen, die das Fortkommen erleichtern sollten. Selbst ein handgezeichneter, farbig gedruckter Kartenteil fehlte im »Philo-Atlas« nicht. Das Werk, jetzt im neuen Philo-Verlag mit einem Vorwort nachgedruckt (220 Seiten; 48 Mark), war eines der letzten jüdischen Bücher, die unter dem NS-Regime erscheinen durften - und liest sich nun als bewegendes Dokument des Flüchtlingselends. Was wußten die in letzter Stunde Aufbrechenden schon über subtropisches Klima oder über die Chagassche Krankheit, die von südamerikanischen Wanzen übertragen wird? Lebten in Venezuela überhaupt Glaubensgenossen, zu denen man Kontakt knüpfen könnte? Selbst im Stichwort »Judentum« setzte das Nachschlagewerk dem öffentlichen Psychoterror eine Gelassenheit entgegen, die seinen Lesern Mut machen konnte: Es bedürfe »der gemeinsamen Überzeugung und unablässigen Bemühung, um den Auswanderern das Judentum zu erhalten und an ihren neuen Wohnsitzen neue Zentren jüdischen Lebens entstehen zu lassen«.

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