Zur Ausgabe
Artikel 53 / 64
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Musik »REISST DIE BARRIEREN NIEDER!«

»Diese Musik«, sagt der amerikanische Jazzkritiker Ralph Gleason, dessen Kolumnen von mehr als 50 US-Tageszeitungen nachgedruckt werden, »besitzt die Respektlosigkeit und die Aggressivität des Jazz sowie jene Spontaneität, die man seit je mit dem Jazz verbindet« -- er meint die Beatmusik. Seit englische und amerikanische Beatmusiker authentischen Blues spielen und wie ihre Jazz-Kollegen improvisieren, ist die Grenze zwischen Jazz und populärer Musik verwischt: Jazzmusiker nehmen Popmusik-Platten auf, Popmusiker werden in Publikumsumfragen unter die führenden Jazzsolisten gewählt. Deutsche Jazzexperten jedoch wollen die partielle Fusion von Jazz und Pop, die in der internationalen Fachpresse kaum noch bezweifelt wird, nicht dulden. Auf einer Tagung in Hechingen haben neun Musiker und Musikjournalisten, die »wissenschaftlich und praktisch mit dem Jazz zu tun haben« -- darunter der Präsident der Deutschen Jazz-Föderation (DJF), Wolfram Röhrig -, einen offenen Brief verfaßt« mit dem sie »diesen Tendenzen entschieden entgegentreten«. Die Hechinger Neun meinen, daß eine »Verschmelzung musikphänomenologisch nicht gegeben« sei und die »Propagierung« einer Fusion »mit den Tatsachen nicht übereinstimmt«.
aus DER SPIEGEL 5/1969
Zur Ausgabe
Artikel 53 / 64
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel