Jahresbilanz von Reporter ohne Grenzen Weltweit sitzen 387 Journalisten hinter Gittern

Corona-Berichterstattung unerwünscht: In vielen Ländern erleiden Medienschaffende Repressalien, weil sie über die Pandemie informieren wollen. In fünf Ländern sitzen besonders viele in Gefängnissen.
Demonstration für die Freilassung des algerischen Journalisten Khaled Drareni in Paris

Demonstration für die Freilassung des algerischen Journalisten Khaled Drareni in Paris

Foto: AFP

Mindestens 387 Journalistinnen und Journalisten wurden im Jahr 2020 weltweit inhaftiert, weil sie ihren Beruf ausüben wollten, 54 wurden entführt und vier sind verschwunden. Diese Zahlen gab die Organisation Reporter ohne Grenzen im Rahmen ihrer Jahresbilanz bekannt. Demnach gab es allein in Belarus nach der umstrittenen Präsidentenwahl mehr als 370 kurzfristige Verhaftungen.

Besonders viele Verhaftungen von Journalisten wurden laut Reporter ohne Grenzen aus China (117), Saudi-Arabien (34), Ägypten (30), Vietnam (28) und Syrien (27) gemeldet. Zum Stichtag 1. Dezember saßen in diesem Jahr nur zwei Medienschaffende weniger im Gefängnis als zum selben Zeitpunkt 2019, als diese Zahl zum dritten Mal in Folge deutlich gestiegen war und mit 389 einen Höchststand erreichte.

Weltweit mehr als 130 Medienschaffende, so Reporter ohne Grenzen, wurden seit dem Frühjahr wegen ihrer Berichterstattung zur Corona-Krise willkürlich verhaftet. Viele nur für Stunden oder wenige Tage, andere für Wochen. Aktuell befinden sich noch mindestens 14 von ihnen im Gefängnis.

Unter den Inhaftierten sind immer mehr Frauen

Einige sind auf Kaution frei, bis Gerichte über ihre Fälle urteilen. Hinzu kamen Hunderte weitere Pressefreiheitsverletzungen im Zusammenhang mit der Coronakrise, darunter viele Fälle von Gewalt gegen Reporterinnen und Reporter bei Demonstrationen.

42 der derzeit inhaftierten Medienschaffenden weltweit sind Frauen. Das sind 35 Prozent mehr als vor einem Jahr. Besonders viele Journalistinnen (jeweils 4) sitzen in Belarus und in Iran im Gefängnis.

Einige schwer kranke Häftlinge, zum Beispiel in China und Saudi-Arabien, würden so unzureichend ärztlich versorgt, dass ihr Leben in Gefahr sei. Dies gelte umso mehr angesichts der zusätzlichen Gesundheitsrisiken durch die Covid-19-Pandemie, die auch in vielen Gefängnissen grassiert. 

Fünf Journalisten droht akut die Vollstreckung ihrer Todesstrafen. Vier von ihnen sind in der Gewalt von Rebellen im Jemen. Den Blogger Ruhollah Sam ließ die Justiz in Iran am 12. Dezember hinrichten.

»Die sehr hohe Zahl inhaftierter Journalistinnen und Journalisten weltweit wirft ein grelles Schlaglicht auf die aktuellen Gefahren für die Pressefreiheit«, sagte die Vorstandssprecherin von Reporter ohne Grenzen, Katja Gloger. »Hinter jedem einzelnen dieser Fälle steht das Schicksal eines Menschen, dem Strafprozesse, lange Haft und oft Misshandlung drohen, weil er sich Zensur und Repression nicht gebeugt hat.«

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