Ringelnatz auf Rum Poesie und Promille
Der Schriftsteller Michael Krüger ahnte es schon vor Jahren: Schreiben und Trinken bedingen einander. In seinem Buch "Literatur und Alkohol" stellte er den unbedingten Zusammenhang von Poesie und Promille her. Zur Frankfurter Buchmesse bringt accurat-Chef Hans Peter Heinicke eine Neuheit auf den Markt, die Krügers Theorien auf amüsante Weise illustrieren: einen Lyrikband des Poeten Joachim Ringelnatz (1883-1934), komplett mit Jamaika-Rum gedruckt.
"Sein Berlin. Joachim Ringelnatz" heißt das Buch, das alle Gedichte des großen Humoristen enthält, die mit der Hauptstadt zu tun haben. Die Texte sind bekannt, das Herstellungsverfahren jedoch ist eine Novität: Der Druckfarbe wurde ein gehöriger Schuss Rum beigefügt. So wurde ein heimlicher Traum des Berliner Dichters 70 Jahre nach seinem Tod endlich wahr. Ringelnatz soll der Überlieferung zufolge einer Milchfrau gegenüber den Wunsch geäußert haben, dass seine Bücher einmal mit feinem altem Jamaika-Rum gedruckt werden.
Die Umsetzung gestaltete sich allerdings langwierig und schwierig. 50 verschiedene Sorten Rum mussten getestet werden, um die Spirituose zu finden, die sich am besten mit der Druckerfarbe verträgt. Besonders kompliziert war die Suche nach einem geeigneten Papier. Das Material durfte nicht zu dick sein, dazu beim Druck weder blass noch wellig werden.
Trunken vom Erfolg begab sich Verlagsleiter Heinicke schließlich zum Grab von Ringelnatz, der mit bürgerlichem Namen Hans Bötticher hieß, und stellte ihm das Buch persönlich vor: "Ihr Wunschtraum, man möge Ihre Gedichte mit feinem altem Jamaika-Rum drucken, ist jetzt Wirklichkeit geworden."
Auch dem Gutenberg-Museum in Mainz ist das Projekt bereits zu Kopf gestiegen: Es orderte ein Exemplar für seine Sammlung.