Nach mehr als 15 Jahren Ringier-Verlag beendet Zusammenarbeit mit Gerhard Schröder

Seit 2005 hat Altkanzler und Gaslobbyist Gerhard Schröder den Ringier-Verlag beraten. Nun beendet der Schweizer Verlag die Zusammenarbeit – kurz nach Schröders Äußerungen zu Putins Krieg gegen die Ukraine.
Wird seinen Posten räumen: Gerhard Schröder

Wird seinen Posten räumen: Gerhard Schröder

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Sean Gallup / Getty Images

Der Schweizer Verlag Ringier beendet das Beratermandat des Altbundeskanzlers und Gaslobbyisten Gerhard Schröder. Das gelte ab sofort und bis auf Weiteres, teilte der Verlag am Dienstag mit. Die Beendigung der Zusammenarbeit geschehe in gegenseitigem Einvernehmen.

Schröder hatte den Verlag im Bereich Internationale Politik beraten. Er sei überzeugt, erklärte Verleger Michael Ringier 2005, dass Altkanzler Schröder mit seiner internationalen Erfahrung eine Bereicherung für das Unternehmen sei – zumal man als Verleger auch politisch aktiv sein müsse. »Er wird bestimmt auch die eine oder andere Tür öffnen können«, sagte Ringier damals.

Seit Längerem aber sorgt Schröders Nähe zu Russlands Präsident Putin für Kritik. Obwohl der Ringier-Verlag den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine in der sehr knappen Mitteilung nicht erwähnt, ist Schröders Haltung dazu mit großer Wahrscheinlichkeit der Grund für die Beendigung seines Mandats.

Massive Kritik, auch aus eigener Partei

Auf dem Portal LinkedIn hatte Schröder sich von dem Angriffskrieg zwar distanziert, aber zur Frage der Verantwortung geschrieben, auf beiden Seiten habe es viele Fehler gegeben. Dies wurde weithin so interpretiert, als wolle er Putins Schuld an dem Angriffskrieg relativieren.

Der Forderung, seine Posten bei russischen Energieunternehmen aufzugeben, kommt Schröder bislang nicht nach. Daran gibt es massive Kritik, auch aus seiner eigenen Partei. Wie am Dienstag bekannt wurde, verlässt Albrecht Funk, langjähriger Büroleiter und Redenschreiber Schröders, sein Büro. Auch drei weitere Mitarbeiter Schröders sollen ihre Posten aufgeben.

Ringier ist einer der größten Verlage der Schweiz. Das Haus beschäftigt mehr als 6000 Mitarbeiter in 18 Ländern, darunter auch autokratisch regierte in Osteuropa und Asien. Im Ausland ist Ringier teilweise in einem Joint Venture mit dem Axel Springer Verlag aktiv. In der Schweiz veröffentlicht Ringier unter anderem die auflagenstarken Boulevardblätter »Blick« und »Sonntagsblick«.

evh
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