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FILM Römisches Heim-Kino

Die Familie«. Spielfilm von Ettore Scola. Italien/Frankreich 1987; 127 Minuten; Farbe. *
aus DER SPIEGEL 36/1987

Stoff wäre genug für eine dickleibige Familiensaga, doch der italienische Regisseur Ettore Scola absolviert die 80 Jahre seiner Chronik des römischen Bürgertums im eleganten Geschwindschritt: rund eine Viertelstunde für jedes Jahrzehnt, um nur ja nicht plump und ernst zu werden. Mit einem Familienphoto, 1906 zur Taufe des kleinen Carlo arrangiert, fängt alles an, und mit einem ähnlichen Gruppenbild, 1986 zum 80. Geburtstag dieses Carlo gestellt, schließt sich die Geschichte.

Scolas Erzähl-Kunstgriff dabei (der sich ähnlich schon in seinem vorletzten Film »Le Bal« bewährt hat): Die Kamera verläßt niemals den einen, einzigen Schauplatz des Films, die weitläufige, etwas düstere Wohnung der Familie, die Zelle schlechthin. Kriege und Krisen, nationale Affären und Weltpolitik spiegeln sich im familiären Hin und Her zwischen Bad und Salon. Küche und Bett; viel geht zu Bruch, auch an Gefühlen, weil Schein und Sein sich nicht wie Topf und Deckel zueinander verhalten doch Überleben ist alles.

Die Musik setzt zarte Nostalgie-Signale, die Wohnung wird jede Generation einmal renoviert, und die Stars (Fanny Ardant, Stefania Sandrelli, Vittorio Gassman) dürfen mit Charme altern und welken. Scolas Bekenntnis zur verfluchten Unverwüstlichkeit der Institution Familie ist sentimental aber so schlau und gut gelaunt, daß es nie klebrig wird.

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