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Gestorben Rolf Lamprecht, 91

aus DER SPIEGEL 14/2022
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privat

Er bezeichnete sich selbst einmal als »Doyen der Karlsruher Gerichtsberichterstattung«. Das war er – und die Selbstbezeichnung ist noch vergleichsweise bescheiden, wenn man hört, was der damalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts Andreas Voßkuhle einmal über ihn gesagt hat: Lamprecht sei »nicht ohne Grund als Rechtsjournalist über viele Jahrzehnte das Maß aller Dinge in der Bundesrepublik« gewesen. Lamprecht, ge­boren 1930 in Berlin, studierte kurz nach dem Krieg in seiner Geburtsstadt Politik, arbeitete aber früh schon als Gerichts­berichterstatter. Als SPIEGEL-Herausgeber Rudolf Augstein 1962/63 in Karlsruhe in Untersuchungshaft saß, bedauerte dieser, dass es vor Ort kein SPIEGEL-Büro gab, so erzählte es Lamprecht gern. Und als er sich einige Jahre später – ohne von Augsteins Äußerung zu wissen – beim SPIEGEL bewarb, wurde er umgehend als Korrespondent nach Karlsruhe geschickt. Zu seinem 65. Geburtstag widmeten ihm Journalistenkolleginnen und -kollegen, aber auch Karlsruher Richter und Richterinnen sowie weitere Persönlichkeiten aus Justiz und Rechtspolitik eine Festschrift: »Lamprecht im Spiegel«. Darin versammelten und würdigten sie einige seiner teils legendären Texte. 1992 promovierte Lamprecht an der Philosophischen Fakultät der Universität Hamburg. Bis Ende 1998 arbeitete er für den SPIEGEL, aber auch als Rentner schrieb er weiterhin für juristische Fachblätter und regelmäßig für die »Süddeutsche Zeitung« – und gelegentlich noch für den SPIEGEL. Auch als Buchautor machte sich Lamprecht einen Namen. Sein letzter Titel, eine Geschichte des Bundesverfassungsgerichts, lautete »Ich gehe bis nach Karlsruhe«. Rolf Lamprecht starb am 24. März in Bühl (Baden).

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