Pionier unter den Paparazzi Celebrity-Fotograf Ron Galella ist tot

Jackie Onassis verklagte ihn, Marlon Brando schlug ihm fünf Zähne aus: Der Fotograf Ron Galella, der den Stars so nah kam wie kaum jemand, ist nun gestorben – mit 91 Jahren.
Jacqueline Kennedy Onassis und Ron Galella

Jacqueline Kennedy Onassis und Ron Galella

Foto: IMAGO

Er folgte den Stars, darunter Jacqueline Kennedy Onassis, Barbra Streisand, Woody Allen, Elvis und Marlon Brando – bis Letzterer ihm den Kiefer brach: Jetzt ist der US-amerikanische Fotograf Ron Galella, ein Pionier unter den Paparazzi, gestorben. Er wurde 91 Jahre alt. Das berichtete die »New York Times«  unter Berufung auf einen Sprecher der Familie Galellas.

Ronald Edward Galella wuchs in der New Yorker Bronx auf. Im Koreakrieg diente er als Fotograf in der Luftwaffe und studierte anschließend Fotografie im kalifornischen Pasadena, aber auch Schauspiel und Regie. 1979 heiratete er Betty Lou Burke, die seine Geschäftspartnerin wurde und 2017 starb.

Ron Galella (l.) und Arnold Schwarzenegger im Jahr 1980

Ron Galella (l.) und Arnold Schwarzenegger im Jahr 1980

Foto: Ralph Dominguez / MediaPunch / IMAGO

Laut »New York Times« habe Galella »im Guten wie im Schlechten« dazu beigetragen, die heutige Celebrity-Kultur zu definieren: In den Sechzigerjahren begann er, Fotos von Prominenten zu schießen, noch bevor die Anwesenheit von Paparazzi zur Normalität wurde. Weil er in den späten Sechzigern Stars ohne deren Erlaubnis fotografierte, wurde er als Gauner beschimpft oder auch bespuckt. Seine meist schwarz-weißen Bilder, die Zeitschriften wie »Time« oder »Life« druckten und die er in mehreren Büchern veröffentlichte, wurden aber auch ausgestellt, mit Werken von Henri Cartier-Bresson verglichen und von Museen wie dem New Yorker Museum of Modern Art gekauft. Sein Stil sei »intim und aggressiv zugleich«, hieß es einmal in einem Artikel des Stilmagazins »T« der »New York Times«.

Laut »New York Times« bestach er Portiers, Chauffeure und Zimmermädchen, um sich an Orten zu positionieren, an denen ihn niemand erwartete – und von wo aus er Stars wie Jacqueline Kennedy Onassis fotografieren konnte. Onassis gefiel das nicht, sie verklagte Galella. 1972 ordnete ein Gericht an, Galella müsse Abstand zu Onassis und ihren Kindern halten. Nachdem er das mehrfach missachtet hatte und ihm eine Gefängnisstrafe drohte, erklärte Galella sich bereit, nie wieder ein Foto von Onassis zu machen. Daran hielt er sich.

Marlon Brando (l.) und Ron Galella

Marlon Brando (l.) und Ron Galella

Foto: ZUMA Wire / IMAGO

1973 winkte ihm Marlon Brando einmal zu, nachdem Galella den Schauspieler den ganzen Tag verfolgt hatte, und fragte ihn, was er noch wolle. »Ich hätte gern ein Foto ohne Sonnenbrille«, antwortete Galella der »New York Times« zufolge. Brando lehnte ab, Galella blieb hartnäckig, woraufhin der Schauspieler dem Fotografen nach dessen Aussage mit der Faust fünf Zähne ausschlug: Kiefer gebrochen.

Die Ambivalenz, mit der viele auf Galella und seine Fotos blickten, soll der berühmte US-Filmkritiker Roger Ebert einmal so zusammengefasst haben: Er habe ihn missbilligt – und seine Arbeit gemocht.

Lesen Sie hier aus dem Archiv ein Interview mit Galella von 2011.

skr
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