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Rote Flut - eingedämmt?

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aus DER SPIEGEL 2/1985

Die Proteste gegen den US-Film »Die rote Flut«, die in Berlin, Düsseldorf und Freiburg schon kurz nach der Eröffnung dazu geführt hatten, daß der Film wieder aus den Kinos verschwand, haben in der vergangenen Woche auch in Heilbronn und Ludwigsburg die Absetzung erzwungen. Noch läuft diese ebenso naive wie gewaltverherrlichende Parabel über den dritten Weltkrieg in 40 Kinos, aber schon haben die »Stuttgarter Friedensinitiativen« ihren Widerstand gegen die »Volksverhetzung« angedroht. In den USA war das Macho-Filmwerk von John Milius über den blutrünstig ausgemalten Guerillakrieg zwischen amerikanischen Schülern und kommunistischen Invasoren beim vorwiegend jugendlichen Publikum ein Kassenerfolg, doch die Kritik reagierte ungnädig: »Emotional kindisch« und »politisch schwachsinnig«, urteilte die »New York Times«, »krude und zusammenhangslos«, der Kritiker von »Time Magazine«, und die »Nationale Koalition gegen Gewalt im Fernsehen« gab dem Film einen einsamen Spitzenplatz - er zeige 134 Gewaltakte pro Stunde. Die deutsche Geschäftsführung des UIP-Filmverleihs focht das nicht an, sie hoffte, daß der Film hier »genauso diskutiert« würde wie in den Vereinigten Staaten. Den Protest der unterschiedlichsten Gruppen brandmarkte sie als »Terror von der Straße« und als »eindeutig« von links gesteuert.

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