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FILM Rückkehr nach Europa

»Mein Name ist Nobody«. Western von Tonio Valerii. Deutschland Italien Frankreich 1973, Farbe, 112 Minuten.
aus DER SPIEGEL 1/1974

Noch ein besseres Stück weiter als Richard Lester in seinen .Musketieren, geht diese Sergio-Leone-Produktion in der Auflösung und Verzerrung populärer Kinoerzählformen. Am Anfang sitzt ein alter Westernheld namens Beauregard, gespielt vom Hollywoodveteranen Henry Fonda, in einem Barbiersalon. Das Interieur ist expressionistisch ausgeleuchtet und schief photographiert. Draußen im Staub und Wind machen sich ruppige Cowboys zum Showdown bereit, der eine nebenbei eine Kuh melkend, der andere ein Pferd striegelnd, was übergroß und lang gedehnt gezeigt wird. Und drinnen schabt ein Riesenrasiermesser mit höllisch lautem Geräusch über die monumentale Gesichtslandschaft von Beauregard. Was so entsteht und ungemein intensiv wirkt, ist reine, ästhetisch forcierte Spannung, völlig losgelöst von Handlung und Zusammenhang. Was erzählt wird, ist das melancholische und komische Zusammentreffen eines alten Westerners und eines jungen europäischen Abenteurers namens Nobody (Terence Hill), der dem Alten bei seinem letzten Gefecht gegen eine geheimnisvolle Horde von hundert Reitern beisteht. Der amerikanische Veteran verläßt dann die Neue Welt mit einer Pudelmütze auf dem Kopf per Schiff Richtung Europa, wo dieser so überaus intellektuelle Western nur herkommen kann. S. Sch.

Siegfried Schober

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