»Heute bin ich gezwungen, eine Entscheidung zu treffen« Chefdirigent des Bolschoj-Theaters tritt zurück

Tugan Sochijew ist als Dirigent in Moskau und Toulouse tätig. Von beiden Ämtern wird der Russe zurücktreten. Er sei unter Druck gesetzt worden, sich zur Invasion der Ukraine zu äußern.
Tugan Sochijew während einer Probe in Toulouse

Tugan Sochijew während einer Probe in Toulouse

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ERIC CABANIS / AFP

Tugan Sochijew hat am Sonntag seinen Posten als Chefdirigent des renommierten Moskauer Bolschoj-Theaters gekündigt. Außerdem ist Sochijew auch als Dirigent eines Orchesters in der französischen Stadt Toulouse tätig und auch von diesem Posten zurückgetreten. Dazu hätten ihn unter anderem französische Politiker bedrängt.

»Heute bin ich gezwungen, eine Entscheidung zu treffen und mich für einen Teil meiner musikalischen Familie zu entscheiden. Ich werde gebeten, eine kulturelle Tradition der anderen vorzuziehen«, schrieb er in einem englischsprachigen Post auf Facebook.

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Es sei schockierend und beleidigend, dass einige Leute seinen Wunsch nach Frieden infrage stellten und glaubten, dass er als Musiker »jemals für etwas anderes als den Frieden auf unserem Planeten sprechen könnte«.

»Wir hatten Spaß daran, gemeinsam Musik zu machen«

Sochijew schrieb weiter, er sei stolz darauf, ein Dirigent zu sein, der aus einem so reichen Kulturland wie Russland komme. Ebenso stolz sei er, seit 2003 Teil des reichen französischen Musiklebens zu sein. »Sowohl in Toulouse als auch im Bolschoj-Theater habe ich regelmäßig ukrainische Sänger und Dirigenten eingeladen. Wir haben nie über unsere Nationalitäten nachgedacht. Wir hatten Spaß daran, gemeinsam Musik zu machen. Und das ist auch heute noch so.

Deshalb habe ich das Festival Franco-Russe in Toulouse ins Leben gerufen, um allen zu zeigen, dass die Menschen in Frankreich und Russland historisch, kulturell, spirituell und musikalisch miteinander verbunden sind und dass ich stolz auf diese Verbindung zwischen unseren beiden großen Ländern bin, die ich liebe.

Dieses Festival wird heute von den Politikern und Verwaltern in Toulouse bekämpft. Was für eine Schande. Und sie wollen, dass ich mich für den Frieden ausspreche! Ich glaube, dass dieses Festival mehr dazu beitragen kann, Brücken zu bauen, als politische Worte.«

Die »aktuellen Ereignisse« riefen in ihm »schwierige Gefühle hervor«. Er benannte den Krieg in seiner Erklärung nicht konkret. Er habe niemals bewaffnete Konflikte unterstützt und in den 20 Jahren seiner musikalischen Karriere immer mit den Opfern aller Konflikte gefühlt, betonte Sochijew.

svs/Reuters
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