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Rußlands »Neue Welle«

aus DER SPIEGEL 15/1991

Chaos und Auflösung, die unentbehrlichen Begleiter von Glasnost, haben im einst stramm geordneten Sowjet-Filmwesen anarchische Kräfte freigesetzt: Alle paar Wochen kommt ein Werk auch in deutsche Kinos, das vom Schwung und Überschwang der russischen »Neuen Welle« zeugt. Jetzt eben ist es »Taxi Blues«, der letztes Jahr beim Filmfestival in Cannes mit dem Regiepreis ausgezeichnete Erstling des Autors Pavel Lungin, 41. Die Geschichte der verbissenen Haßliebe, die einen dickköpfigen Moskauer Taxifahrer mit einem genialisch versoffenen Jazz-Saxophonisten jüdischer Herkunft verbindet, läßt exemplarisch zwei Grundtypen der Sowjetgesellschaft zusammenprallen, den Proleten mit dem Parasiten, und sie ist - in ihrem brodelnden Realismus an den jungen Scorsese erinnernd - aggressiv, überraschend, randvoll mit scharf gezeichneten Details. Den Lebensstoff, der diese Menschen durch Lust und Verzweiflung treibt, nennt Lungin selber den »Sockel unseres Universums": Wodka.

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