"Sakrileg" Neue Plagiatsvorwürfe gegen Dan Brown

Dan Brown wird die Plagiatsvorwürfe nicht los. Eine Klage wurde bereits abgewiesen, nun werfen die Autoren des Sachbuchs "The Holy Blood and the Holy Grail" dem Schriftsteller vor, die Ideen zu seinem Roman "Sakrileg" gestohlen zu haben. Der Prozess soll im Februar beginnen.

Wenn der Vatikan zu einem Roman Stellung nimmt, muss das Buch Bedeutung haben. Über 29 Millionen Leser verschlangen bisher Dan Browns Erzählung "Sakrileg", der Schriftsteller soll 70 Millionen Euro verdient haben. Dabei könnte es sein, dass die meisten Ideen zu der Geschichte nicht von Brown stammen. Das behaupten jedenfalls die Autoren Richard Leigh und Michael Baigent laut einem Bericht der britischen Zeitung "Telegraph".

"Ich missgönne Dan Brown seinen Erfolg nicht. Ich habe keine bestimmte Beschwerde an ihn, außer dass er einen ziemlich schlechten Roman geschrieben hat", sagte Leigh dem "Telegraph". Die Beweise für einen Ideenklau seien jedoch eindeutig, die Klage deshalb gerechtfertigt.

Leigh und Baigent begründen ihren Vorstoß unter anderem damit, dass ihre Namen in "Sakrileg" erwähnt werden. Im Roman geht es um verborgene Zeichen und Symbole im Werk des Malers Leonardo Da Vinci, die auf den Heiligen Gral und eine mögliche Beziehung von Jesus mit Maria Magdalena hinweisen. Einer der Bösewichter in der Geschichte ist der exzentrische Historiker Sir Leigh Teabing. Der Vorname sei ein direktes Zitat, der Nachname ein Anagramm des Wortes Baignent. Der physische Zustand der Figur soll ein Hinweis auf Henry Lincoln sein. Er ist der dritte Autor von "The Holy Blood and the Holy Grail" und leidet wie die Romanfigur an einer schweren Krankheit.

Auch die Tatsache, dass der Verlag Random House ihr Buch mehr als 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung noch einmal als gebundene Fassung herausbringen, ist für Leigh und Baigent ein Indiz dafür, dass Brown aus ihren Ausführungen abgeschrieben haben könnte. Leigh und Baigent hatten 1984 das Sachbuch "The Holy Blood and the Holy Grail" verfasst. Es handelt ebenfalls vom Verbleib des Heiligen Grals.

Das Buch selbst spielt eine kleine Rolle in "Sakrileg": Teabing nimmt ein Exemplar in die Hand und macht eine abfällige Bemerkung darüber. "Keiner von uns weiß, warum er das gemacht hat", sagte Leigh dem "Telegraph". "War es eine witzige Hommage, ein Augenzwinkern oder ein Rippenstoß?" Darüber wird ein Gericht zu entscheiden haben, denn die beiden Autoren sehen ihre Arbeit ruiniert und haben Klage eingereicht.

"Bei uns ist die Nachricht einer Klage noch nicht angekommen", sagte Lübbe-Sprecherin Nicole Wolf zu SPIEGEL ONLINE. Aus diesem Grund könne der deutsche Verlag von Brown auch keine Stellung zu den Vorwürfen abgeben.

Im Februar 2006 soll der Prozess stattfinden, der weitreichende Folgen haben könnte. Die Dreharbeiten zur "Sakrileg"-Verfilmung haben bereits begonnen, Tom Hanks und Jean Reno spielen die Hauptrollen. Sollte das Gericht zu Gunsten von Leigh und Baigent entscheiden, könnte sich der Kinostart des 78-Millionen-Euro-Projekts verzögern. Bisher war als Termin weltweit der 18. Mai geplant.

Die Klage von Leigh und Baigent ist nicht die erste Anschuldigung wegen Plagiats an Brown. Der Autor Lewis Perdue klagte auf 120 Millionen Euro Schadensersatz, weil Brown aus seinem Buch "The Da Vinci Legacy" abgeschrieben haben soll. Der Originaltitel von Dan Browns Roman ist "The Da Vinci Code" Die Klage wurde jedoch abgewiesen.

Die katholische Kirche stritt die Thesen in Browns Roman wiederholt als Nonsens ab, gegen die Dreharbeiten protestierte eine Nonne zwölf Stunden lang vor der Kathedrale im englischen Lincoln. Auch Wissenschaftler zeigten Fehler in der Argumentation Browns auf.

Der dritte Autor von "The Holy Blood and the Holy Grail" Henry Lincoln leidet an einer schweren Krankheit und zog es daher vor, nicht an der Klage gegen Brown teilzunehmen.

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