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Schallplatten

aus DER SPIEGEL 42/1972

»Ich glaube nicht daran«, schrieb Elisabeth Furtwängler, Witwe des Dirigenten. »bevor ich nicht etwas in Händen halte.« Am vorletzten Wochenende nun hielt sie etwas in Händen, was sie sich seit langem ersehnte: eine 18-Schallplatten-Kassette mit Wagners »Ring des Nibelungen«, wie ihn Wilhelm Furtwängler 1953 für die italienische Rundfunkgesellschaft RAI in öffentlichen Konzerten dirigiert hatte. Fast 20 Jahre lang hatten mehrere Plattengesellschaften immer wieder vergeblich versucht, das Tondokument zu veröffentlichen: Zunächst gab der EMI-Konzern auf, als die RAI für die Überlassung der Bänder »maßlose Honorarforderungen« stellte und die Deutsche Grammophon Gesellschaft Exklusivrechte an »Ring«-Sängern nicht abtreten wollte. Die Deutsche Grammophon, die mit den Italienern dann einig wurde, stellte die Furtwängler-Produktion zurück, als ihr Vertragskünstler Karajan Wagners vierteiliges Kolossal-Drama in Angriff nahm. Die Philips schließlich scheiterte an dem neuerlichen Interesse der EMI. Die deutsche EMI-Tochter Electrola nämlich setzte, als eine Furtwängler-Renaissance deutlich wurde. »nun alles daran«, das musikhistorische Wert-Stück endlich auf den Markt zu bringen. Sie kaufte die Rechte von der Deutschen Grammophon wieder zurück und ließ sich auch nicht davon beeindrucken, daß die Hamburger Konkurrenz eine »Ring«-Aufnahme von Karl Böhm bereithält. Als jetzt in München die ersten Kassetten ausgehändigt wurden, war schon klar, daß die Furtwängler-Aufnahme mit ihrer unwiederholbaren Kombination großer Wagner-Stimmen ein Schlager der Saison wird: Die erste Auflage von 3000 Exemplaren (Preis: 198 Mark) war vom Handel bereits gebucht.

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